Mittwoch, 26.10.2011




Schwere Datenpanne im Bevölkerungsregister

Ein über eine Zeitarbeitsfirma vorübergehend beim Sozialministerium angestellter Mann hat 2006 den kompletten Datensatz des Bevölkerungsregisters gestohlen und über das Internet öffentlich zugänglich gemacht. Dies gab das Justizministerium am Montag bekannt.

Es handelt sich um die persönlichen Daten von neun Millionen lebender und bereits verstorbener Israelis, einschließlich persönlicher Identitätsnummer, Adresse, Familienstand und Verwandtschaftsverhältnisse zu anderen Bürgern.

Der Mann habe eine Kopie des Datensatzes an einen Klienten weitergegeben, von dem aus er sich schnell weiterverbreitet habe. Ein besonders unter Ultraorthodoxen verbreitetes Computer-Programm mit dem Namen Agron 2006 scheint auf diesen Daten zu basieren. In der ultraorthodoxen Community wird es häufig verwendet, um vor der Anbahnung einer Ehe den potentiellen Partner und seinen familiären Hintergrund zu überprüfen.


Personalausweise (Foto: Archiv)

Außerdem könnte das Programm auch genutzt werden, um in die Identität eines anderen zu schlüpfen, da alle relevanten Informationen enthalten seien, so Experten.

Die Ermittlungen zu dem Fall waren bereits 2009 begonnen worden. Erst jetzt war es den Ermittlern jedoch gelungen zu rekonstruieren, wie die Verbreitung konkret vor sich gegangen war. Aus diesem Grund wurde auch erst jetzt die Informationssperre aufgehoben.

Datenschützer sehen den Fall als ein besonders krasses Beispiel für die Gefahren der Datenerfassung. Besonders die Gegner der geplanten biometrischen Datenbank, deren Einführung im Juni dieses Jahres beschlossen wurde, sehen sich nun in ihren Befürchtungen bestätigt.

(Haaretz, 24.10.11)