Donnerstag, 15.12.2011




Diplomatie nach dem Arabischen Frühling
Von Dore Gold

Der ehemalige spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar hat in einem Artikel für CNBC am 8. Dezember etwas bemerkenswertes festgestellt: Abdul Hakim Belhadj, einer der libyschen Oppositionsführer, die nach dem Fall Gaddafis aufgestiegen sind, war 2004 an den Anschlägen auf die Madrider Vorortzüge beteiligt, bei denen 192 Menschen getötet und mehr als 2000 Menschen verletzt wurden.

Und auch weitere bekannte Islamisten sind Teil der neuen libyschen Führung, wie beispielsweise Sheich Ali Salibi, den die Washington Post in diesem Monat als „the likely architect of the new Libya“ bezeichnete. Salibi lebte viele Jahre als enger Vertrauter von Scheich Yusuf Qaradawi, des geistlichen Führers der Muslimbruderschaft, im Exil in Qatar.

Die Geschichte von Belhadj ist nur eine von vielen dieser Art innerhalb des „arabischen Frühlings“, wie ihn die Publizisten gerne nennen. Der Sturz der alten Regime in Tunesien, Libyen und Ägypten führte dazu, dass islamistische Parteien, die mit der Muslimbruderschaft verbunden sind, den Platz der alten Herrscher einnahmen. So ist beispielsweise die Weltsicht des tunesischen Islamistenführers Rached Ghannouchi seinem Biographen zufolge stark von den Schriften Sayyid Qutbs beeinflusst, dem Theoretiker der Muslimbruderschaft. Ein saudischer Kommentator von al-Sharq al-Awsat nannte die Entwicklungen in der Region angesichts dieser Tatsachen den „Frühling der Muslimbrüderschaft“.

Ein Jahr nach dem Beginn dieser historischen Veränderungen wird deutlich, dass sie nicht nur eine Herausforderung für die westliche Diplomatie darstellen, sondern auch einige ihrer eklatantesten Fehler zu Tage treten lässt.

Da die neuen, aufsteigenden Bewegungen alle enge Verbindungen zur Muslimbruderschaft haben, ist eine wichtige Frage, ob die Führer des Westens überhaupt verstehen, was diese Organisation repräsentiert. Anfang Februar 2011 sprach James Clapper, der Nationale Geheimdienstdirektor der USA, vor dem Geheimdienst-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Seit der Reorganisierung der US-Geheimdienststruktur im vergangenen Jahrzehnt gehört Clapper zu denjenigen, die Präsident Barack Obama über die zentralen Einschätzungen der wichtigsten Geheimdienste unterrichten.

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Der Autor ist Präsident des "Jerusalem Center for Public Affairs" und ehemaliger Botschafter des Staates Israel bei den Vereinten Nationen.

(Jerusalem Post, 14.12.11)

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