Montag, 30.01.2012




Armee: Der Dienst an der Waffe ist für alle Pflicht

Israel ist eines der wenigen Länder weltweit, in dem Frauen, auf Basis des Wehrdienstgesetzes von 1953, der Wehrpflicht unterliegen. Gegenwärtig beträgt die Wehrpflicht für Frauen 24 Monate und für Männer 36 Monate. Frauen sind vom Grundwehrdienst befreit, wenn sie verheiratet sind und vom Reservedienst wenn sie schwanger oder bereits Mütter sind. Sie können außerdem aus religiösen oder Gewissensgründen vom Wehrdienst befreit werden.

Bereits der erste israelische Ministerpräsident David Ben Gurion erklärte:

“Die Armee ist das höchste Symbol von Pflicht, und so lange, wie Frauen den Männern bei der Erfüllung dieser Pflicht nicht gleichgestellt sind, haben wir wahre Gleichheit noch nicht erreicht. Wenn die Töchter Israels nicht in der Armee sind, dann wird der Charakter des Yishuv  gestört sein.“

Frauen waren in den vorstaatlichen militärischen Organisationen äußerst präsent: Im Yishuv und während des Unabhängigkeitskrieges 1948 dienten sie in allen Einheiten, einschließlich Kampfeinheiten an der Front und als Kampfpilotinnen. Dies änderte sich bei der Staatsgründung und mit der Gründung der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (ZAHAL). In diesem Zuge wurden Frauen aus den Kampfeinheiten ausgeschlossen.


2011: Fünf Pilotinnen schließen den Kadettenkurs ab (Foto: IDF)

Daran sollte sich über dreißig Jahre lang, bis in die 1980er Jahre, wenig ändern. Obwohl immer wieder verschiedene Aufgabenbereiche für Frauen geöffnet wurden, blieb der Militärdienst von Frauen doch für die meisten auf den Schreibtisch beschränkt.

Doch seit den 1980er Jahren gibt es, auf Initiative von ZAHAL selbst, eine fortschreitende Öffnung aller Funktionen innerhalb der Streitkräfte für Frauen. Dies begann vor allem damit, dass Frauen zunehmend als Ausbilderinnen eingesetzt wurden.

Der große Wandel setzte schließlich in den letzten fünfzehn Jahren ein. Nachdem Alice Miller 1995 vor dem Obersten Gerichtshof mit ihrer Klage für eine Zulassung zum Kurs für Kampfpiloten erfolgreich gewesen war, wurde im Jahr 2000 die Zulassung von Frauen für zahlreiche weitere Posten bei ZAHAL per Gesetz festgeschrieben. 2001 schloss die erste Kampfpilotin ihr Training in der Akademie der israelischen Luftstreitkräfte ab. Bis Ende 2011 hatten 30 weibliche Kadetten den Kurs erfolgreich abgeschlossen, davon allein fünf im Jahr 2011.


Barbivay (Foto: IDF)

Im Jahr 2005 standen den Frauen 60 Prozent der Armeeberufe offen. 2010 waren es rund 90 Prozent. Im Jahr 2011 wurde mit Orna Barbivay die erste ZAHAL-Generalmajorin ernannt. Etwa die Hälfte aller Soldaten in Offizierskursen sind Frauen.

In den letzten Monaten kam es verstärkt zu Versuchen religiöser Soldaten, den Auftritt von Frauen, etwa als Sängerinnen bei Armeeveranstaltungen, zu verhindern oder zumindest zu boykottieren. Diesem Phänomen wurde seitens der Regierung und auch hochrangiger Armeemitglieder entschieden entgegengetreten.