Montag, 30.01.2012




Israelische Filme weltweit erfolgreich

Mit der Oscar-Nominierung des Films „Footnote“ als bester fremdsprachiger Film wurde zum vierten Mal in fünf Jahren ein Film aus Israel in dieser Kategorie nominiert. Aus keinem anderen Land standen in diesem Zeitraum so viele Filme zur Entscheidung.

Die ersten drei nominierten Filme „Waltz with Bashir“, „Beaufort“ und „Ajami“ thematisierten alle den Konflikt mit den arabischen Nachbarn. Mit „Footnote“ hat es erstmals ein Film zu den Oscars geschafft, der mit einer Geschichte von zwei Talmud-Gelehrten, Vater und Sohn, die um akademisches Prestige und den Israel-Preis konkurrieren, einen internen gesellschaftlichen Konflikt thematisiert.

„Die Nominierung ist eine große Ehre für Israel“, sagte Moshe Edery, der Produzent von „Footnote“.

Denn viele Jahre lang war israelisches Kino eher peinlich: In den 1960er und 1970er Jahren dominierten billige Produktionen, sogenannte „Bourekas-Filme“ die Filmindustrie, die vor allem von den ethnischen Stereotypen von aschkenasischen und sephardischen Juden lebten. In Abgrenzung zu diesen abgenutzten, klischeebeladenen Komödien gründete eine Gruppe israelischer Filmemacher 1979 den ambitionierten „Israeli Fund to Encourage Quality Films“.

Die folgenden zwei Jahrzehnte waren dennoch nicht sehr ertragreich für das israelische Kino, 1998 erreichte die Filmindustrie ein Rekordtief: Nur noch 0.3 Prozent der israelischen Kinobesucher kauften ihre Tickets für einen israelischen Film.

Im Jahr 2000 beschloss die Knesset, dass es so nicht mehr weitergehe und erhöhte das jährliche Budget für Filmförderung auf 10 Millionen Dollar, so dass vor allem junge Filmemacher eine Chance bekamen, ihre Ideen umzusetzen. So auch Joseph Cedar, der 2000 gerade frisch von der Filmhochschule kam und seit seinem ersten Film „Time of Favor“ vom staatlichen Film-Fonds unterstützt wurde.

Katriel Shory, Vorsitzende des Film-Fonds erklärt, dass man bei Cedar einfach etwas gewagt habe. „Wir kannten ihn zwar nicht, doch er war enthusiastisch und passioniert“, so Shory. Diese Herangehensweise sei einzigartig und äußerst fruchtbar, erklärt Renen Schorr, Gründer und Vorsitzender der Sam Spiegel-Film- und Fernsehschule in Jerusalem. „Früher hätten Filmfonds nie die erste Produktion eines Filmemachers unterstützt. Heute will Israel, dass junge Leute ihre ersten Filme drehen können.“

Diese Budget- und Konzeptänderung trägt Früchte. Mittlerweile produziert Israel zwanzig Filme pro Jahr, 15 Filme mehr als noch Ende der 1990er Jahre.

Doch bisher hat noch keiner der für den Oscar nominierten israelischen Filme den Preis auch nach Hause holen können. Joseph Cedar gibt sich jedoch ganz gelassen. Zum einen sei der Oscar nicht der einzige Indikator für den Erfolg eines Films und zum anderen sei das Thema seines Films ja genau der Reiz und das Risiko von Auszeichnungen.

„Der Film ‚Footnote‘ handelt von der Frage, was passiert, wenn du aus deinem Alltag herausgerissen wirst, weil dir ein Preis angeboten wird, der deine moralische Integrität korrumpiert und deine Perspektive ändert und manchmal auch zerstört“, fasste Cedar die Handlung seines Films zusammen. 

(AP, 27.01.12)