Mittwoch, 29.02.2012


 
Film

Mit der Oscar-Nominierung des Films „Footnote“ als bester fremdsprachiger Film wurde zum vierten Mal in fünf Jahren ein Film aus Israel in dieser Kategorie nominiert. Aus keinem anderen Land standen in diesem Zeitraum so viele Filme zur Entscheidung.

Die Vorgänger bei den Oscars hießen „Waltz with Bashir“, „Beaufort“ und „Ajami“ und thematisierten alle den Konflikt mit den arabischen Nachbarn.

Das israelische Kino ist heute international erfolgreich, israelische Filmemacher werden regelmäßig  zu den wichtigen internationalen Festivals eingeladen. Das ist nicht selbstverständlich, denn viele Jahre lang war israelisches Kino für den internationalen Markt eher ungeeignet: In den 1960er und 1970er Jahren dominierten billige Produktionen, sogenannte „Bourekas-Filme“ die Filmindustrie, die vor allem von den ethnischen Stereotypen von aschkenasischen und sephardischen Juden lebten.


"The Policeman" (Ha-Shoter Azulai, 1971)

Viele dieser Filme sind heute Klassiker des israelischen Kinos, die unter anderem einen wichtigen Beitrag zum Zusammenwachsen der israelischen Gesellschaft leisteten – von der Kritik wurden die Bourekas-Filme, die damals zu Kassenschlagern wurden, jedoch auch in ihrer Zeit einhellig verrissen. Ein Verkauf ins Ausland war unmöglich – die Filme verarbeiteten Themen, die international weitgehend unbekannt waren.

In Abgrenzung zu den Komödien, die unter Cineasten von jeher einen schlechten Ruf hatten,  gründete eine Gruppe israelischer Filmemacher 1979 den ambitionierten „Israeli Fund to Encourage Quality Films“.

Die folgenden zwei Jahrzehnte waren dennoch nicht sehr ertragreich für das israelische Kino, 1998 erreichte die Filmindustrie ein Rekordtief: Nur noch 0,3 Prozent der israelischen Kinobesucher kauften ihre Tickets für einen israelischen Film.


"Broken Wings" (Knafayim Shvurot, 2002)

Im Jahr 2000 beschloss die Knesset, dass es so nicht mehr weitergehe und erhöhte das jährliche Budget für Filmförderung auf 10 Millionen Dollar, so dass vor allem junge Filmemacher eine Chance bekamen, ihre Ideen umzusetzen. Auch die kommerziellen Fernsehsender wurden per Gesetz verpflichtet, im Gegenzug für zukünftige Senderechte, Kinofilme zu finanzieren.

Mittlerweile produziert Israel zwanzig Filme pro Jahr, 15 Filme mehr als noch Ende der 1990er Jahre. Und das mit dem Oscar bekommen wir auch noch hin…

(Dieser Artikel erschien in anderer Fassung im Newsletter vom 30. Januar)