Mittwoch, 14.11.2012




Änderung der Spielregeln

Von Yoav Limor

Wie schon bei der letzten Eskalation der Kämpfe, versuchten auch am Montag Terrorgruppen die Entwicklung der Ereignisse zu kontrollieren.

Bei dem Treffen aller Terrorgruppen (mit Ausnahme der Salafisten) Montagnacht im Gazastreifen, erklärten sie, dass sie aufhören würden, Raketen und Mörser auf Israel zu schießen (abhängig von bestimmten Bedingungen, nämlich der, dass Israel nicht den Gazastreifen beschießt). Dies war vielleicht ein Versuch zu verhindern, was ihnen eventuell bevorsteht.


Rauchschwaden im nördlichen Gazastreifen nach dem Abschuss einer Rakete auf Israel (Foto: Reuters)

Im Gazastreifen verfolgten die Terrorgruppen aufmerksam die israelischen Medien und verstanden, dass die Israelis vor Wut kochten. Die Bürger fühlten sich allein gelassen, die aufgeheizten Reden der Politiker vor den Wahlen, Gerüchte, die Einsatzpläne der israelischen Verteidigungskräfte befänden sich kurz vor der Fertigstellung – all dies wurde im Gazastreifen übersetzt zu einer eindeutigen Schlagzeile: Die Uhr hat bald geschlagen. Das Spiel ist fast vorbei. Israel steht kurz vor einem Angriff.

Die Hamas, die einen Waffenstillstand forcierte, mit ägyptischer Unterstützung, verstand sehr genau, dass es bald das Hauptziel eines zukünftigen Angriffs sein würde. Hamas hat sich kürzlich aus der Deckung gewagt und ist dazu zurückgekehrt, Operationen gegen Israel auszuführen. Sie hat aufgehört, sich hinter widerspenstigen Terrororganisationen zu verstecken und begann offen zu agieren, für jedermann sichtbar, und eindeutige Verantwortung zu übernehmen.

Am Samstag feuerten ihre Aktivisten eine Panzerabwehrrakete auf einen Jeep der israelischen Armee; am Sonntag führten sie die Versuche an, Katyusha-Raketen auf Sderot abzuschießen und am Montag diktierten sie die Deeskalation. Dies waren mannigfaltige Anstrengungen an den diplomatischen, militärischen und öffentlichen Fronten, um die Hamas als omnipotente Machthaber im Gazastreifen zu re-etablieren.

Israels Offizielle erkannten die Situation, aber sie reagierten nicht auf sie. (…) Bis eine neue Strategie angewendet wird, bleibt die alte, nach der es in Israels Interesse ist, die Situation „einzudämmen“, in Kraft. Praktisch bedeutet dies, dass die Armee Raketenangriffe zu verhindern sucht und Gruppen angreift, die Raketen abschießen und angemessen und zurückhaltend reagiert, um eine Eskalation zu verhindern. (…)

Wenn wir uns von der Illusion der kurzzeitigen Ruhe verführen lassen, die die Hamas uns anbietet, werden wir bald einer weitaus schlimmeren Situation gegenüberstehen. Die Armee hat eine Änderung der Spielregeln empfohlen. Selbst wenn es nicht sofort passiert, werden diese in der nächsten Runde angewendet werden. Die Armee will die umfangreiche Erlaubnis zu einer schärferen Vergeltung, sobald die nächste Runde mit Raketenangriffen beginnt. Die Armee ist darauf vorbereitet in mehreren „Etappen“ mit einer Vielzahl an Aktionen zu reagieren, die den Anweisungen der politischen Führung unterliegen. (…)

Jeder Etappe wird eine weitere folgen, abhängig von der Antwort der anderen Seite und wird letztlich zu einem möglichen Einsatz von Bodentruppen im Gazastreifen führen. (…)

(Israel Hayom, 13.11.12)

Die im Newsletter veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.