Dienstag, 19.03.2013




Herzl ohne Bart

Das Zionismus-Archiv ist eine altehrwürdige Einrichtung: Bereits 1919 in Berlin gegründet, wurde es nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina gebracht – „nachdem die zionistische Bewegung die Nazis davon überzeugt hatte, dass das Material unwichtig ist“, so Yigal Sitry, der neue Leiter des Archivs.

Nun hat eine solch lange Tradition auch ein Manko – häufig laufen Institutionen wie das Archiv Gefahr, ein etwas angestaubtes Image zu pflegen.

Dem möchte das Zionismus-Archiv nun vorbeugen: Ähnlich anderen Institutionen setzt man auch hier auf eine Digitalisierung des Materials. Bereits jetzt finden sich auf der Internetseite des Archivs 1,2 Millionen digitalisierter archivierter Materialien, von insgesamt 12 Millionen, die bereits gescannt wurden. Dennoch ist dies lediglich ein Bruchteil der Sammlung: Insgesamt sind 80 Millionen Einzelstücke archiviert. „Zehn Kilometer Zionismus“ nennt der Leiter das Archiv, auf so viele Regalmeter ist die Sammlung verteilt.

Das Archiv lässt bei vielen Israelis nostalgische Gefühle aufkommen, vor allem gilt dies für die Postersammlung, die mehr als einhundert Jahre zionistischer Geschichte am Betrachter vorüberziehen lässt, häufig in herrlich altmodischem Hebräisch. Bei der Vorstellung der neuen Website wies eine Mitarbeiterin besonders auf ein Foto des jungen Theodor Herzl hin – der damals noch nicht seinen berühmten Bart trug. „Haben Sie schon einmal Herzl ohne Bart gesehen?“, fragte Sie die Anwesenden. Ein Dame aus dem Publikum antwortete: „Ich hätte gedacht, er wurde damit geboren.“

(Haaretz, 18.03.13)

Zur Website des Archives geht es unter http://bit.ly/ZionArch