Freitag, 03.05.2013




Wie sagt man auf Chinesisch „Abitur“?

In den kommenden beiden Monaten heißt es für die israelischen Zwölftklässler antreten zu den Abiturprüfungen. Für 20 Schüler im Land steht ein ganz besonderes Fach auf dem Prüfungsplan: Sie büffeln seit mehreren Jahren Chinesisch.

Genau 818 Schülerinnen und Schüler verteilt auf 29 Klassen an 26 Schulen im Land haben sich in diesem Jahr für das exotische Fach entschieden.

„Alle meine Schüler haben ein großes Interesse an Fremdsprachen“, so Nirit Malachi, die an der Rishonim-Schule in Rishon le-Zion Chinesisch lehrt. „Der Unterricht ähnelt manchmal einer Chorprobe und manchmal eher einer Malstunde. Da Chinesisch eine tonale Sprache ist, singe ich den Schülern die Laute wieder und wieder vor, und sie singen sie mir nach. Den richtigen Ton zu treffen, ist sehr wichtig, sonst kann man die Bedeutung nicht verstehen.“ Eine Malstunde ist der Unterricht dann, wenn Malachi neue Schriftzeichen einführt; jede Stunde lehrt sie zehn neue Zeichen, wie sie zu malen sind, ihre Geschichte und natürlich die Bedeutung.


Chinesisch-Unterricht in Rishon le-Zion (Foto: Ynet)

20 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten die Sprache in Israel. Sie alle haben einen Hochschulabschluss in Sinologie. Seit 2011 gibt es auch eine eigens vom Bildungsministerium entworfene Lehrerausbildung für Chinesisch. Das Curriculum sieht für die Grundschule zwei Wochenstunden vor, später dann bis zu sechs.

Die Hoffnungen, die das Ministerium und die Schüler mit der Sprache verbinden, sind ähnlich: „China ist eine der einflussreichsten Mächte für die Weltwirtschaft, und Israel hat ein großes Interesse daran, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu stärken“, so Dalit Shtauber, Staatsministerin im Bildungsministerium.

So sieht es auch Roi Bentzur, der in wenigen Wochen sein Chinesisch-Abitur ablegen wird. „Die chinesische Wirtschaft wird in einigen Jahren weltweit führend sein, es ist wichtig, dass wir uns mit ihr auskennen“, erklärt er. „Aber darüber hinaus hat mich auch die chinesische Schrift mit ihren vielen Zeichen schon immer fasziniert.“

(Ynet, 02.05.13)