Donnerstag, 12.12.2013




Abstimmung über israelische Mitgliedschaft in CERN
Das Leitungsgremium der CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung, stimmt heute über eine künftige Vollmitgliedschaft Israels ab. Eine Zustimmung des Gremiums, das sich aus Vertretern aller 20 Mitgliedsstaaten zusammensetzt, wird allgemein erwartet. Israel wäre das erste nicht-europäische Land, das den Status eines Vollmitglieds erhält.


Blick in den Tunnel des Large Hadron Collider des CERN (Foto: Julian Herzog/wiki)

In beobachtender Funktion ist Israel bereits seit 1991 und seit 2011 als assoziiertes Mitglied in der Organisation vertreten. Die mögliche Aufwertung hätte große Bedeutung: zwar waren israelische Forscher auch bisher schon an Experimenten im Teilchenbeschleuniger in Genf beteiligt und trugen beispielsweise zur Entdeckung des Higgs-Boson im vergangenen Jahr bei. Nur als vollwertiges Mitglied könnte Israel jedoch über die Festlegung der Forschungsprioritäten mitbestimmen und hätte noch besseren Zugang zu Forschungseinrichtungen. Die Mitgliedschaft hat auch ihre Kosten: etwa 10 Millionen Euro müsste der Staat Israel aufwenden, etwa viermal so viel wie bislang.

Professor Eilam Gross, Physiker am Weizmann-Institut und Mitglied des CERN-Teams, das Higgs-Boson entdeckte, betont neben der wissenschaftlichen auch die politische Bedeutung der Mitgliedschaft: „Für einen Staat wie Israel ist es eine große Sache, seine Flagge über einer europäischen Forschungseinrichtung wehen zu sehen. Gerade angesichts der unfreundlichen Atmosphäre heutzutage würde das einen enormen Schub nach vorn geben. Die Wissenschaft sollte Grenzen überwinden und ich halte es für sehr wichtig, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft uns nicht zurückweist. Der Weg zum Frieden führt über die Wissenschaft.“

(Haaretz, 12.12.13)