Mittwoch, 26.03.2008




Israelische Hi-Tech-Firmen in der Wasserbranche erobern den Weltmarkt

Nach Jahrzehnten der Entwicklung im Bereich Wassertechnologie mit dem Ziel, „die Wüste zum Blühen zu bringen“, konzentriert sich Israel nun darauf, seine Produkte im Ausland zu verkaufen. Hierzu gehören ultraviolette Lichttechnologie zur Reinigung von Wasser und ein Recycling-System, das mit Hilfe von Bakterien organischen Müll beseitigt.
Daniel Wild, ein ranghoher Analyst der Sustainable Asset Management (SAM) Gruppe –eine unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft für Sustainability Investments mit Hauptsitz in Zürich-, sagt, dass die israelische Technologie in den beiden Hauptbereichen Bewässerung und Entsalzung führend sei, weil Israel eines der ersten Länder war, die diesbezüglich effiziente Technologien entwickelt haben.
Israel besteht zu etwa Zweidritteln aus Wüste. Diese Tatsache spornte das Land an, eines der Weltführer im Bereich Wasserrecycling zu werden. Nach Informationen von Oded Distell vom Industrie- und Handelsministerium werden in Israel 75% des Abwassers wieder genutzt, und zwar hauptsächlich in der Landwirtschaft.
Bald nachdem Israels erster Premierminister David Ben Gurion in den 1950er Jahren erklärt hatte, dass die Zukunft des jüdischen Staates von der Fähigkeit, „die Wüste zum Blühen zu bringen“, abhänge, tat sich Ingenieur Simcha Blass gemeinsam mit einem Kibbutz zusammen und gründete die Firma Netafim, die der Welt ein Wassersparsystem, das als Tröpfchenbewässerung bekannt wurde, vorstellte.
Heute hat Netafim einen Jahresumsatz von mehr als 450 Millionen Dollar, der größtenteils durch Exporte erzeugt wird. Eines der neusten Produkte der Firma ist ein drahtloses System zur Überwachung von Feldfrüchten, das unterirdische Sensoren und Funk benutzt, um jedem Teil des Feldes die richtige Menge an Wasser zukommen zu lassen.

Ultraviolettes Licht
In einer Fabrik außerhalb Jerusalems testen Ingenieure der privaten Technologiefirma Atlantium ihre neueste Serie von UV-Wasserreinigern. Ihr Produkt, das aus einem großen Quarzrohr besteht, das an ein Wasserleitungssystem angeschlossen werden kann, kann bis zu 200 Kubikmeter Wasser in einer Stunde reinigen.
Die Strahlen des UV-Lichtes lassen Bakterien im Wasser „inaktiv“ werden, so dass sie sich nicht vermehren und Infektionen verursachen können. Dana Cogan, Marketingdirektorin von Atlantium, erklärt, dass durch die UV-Reinigung chemische Nebenprodukte, wie z. B. die Verwendung von Chlor, vermieden werden könnten und dass sie billiger und einfacher sei als das Erhitzen von Wasser.

Bakterien, die Abwasser „fressen“
Die israelische Firma Aqwise sagt, ihre biologisch basierte Lösung, Bakterien zu züchten, die organischen Müll „fressen“, könne sich mit anderen Technologien messen.
Die Firma entwarf ein Wasserstrahlsystem, das „Biomasse-Träger“ in Tausenden von Gallonen Abwasser in Umlauf bringt. Die Träger sind kleine Plastikringe mit großer Oberfläche, die von einer Vielzahl von natürlich vorkommenden Bakterien bedeckt ist. Diese Bakterien „fressen“ das organische Material im Abwasser. Millionen solcher Ringe werden in einem Prozess, der sich Attached Growth Airlift Reactor (AGAR) nennt, durch das Abwasser getrieben, wobei die Bakterien die schädlichen Bestandteile beseitigen. Das System wurde bereits von zahlreichen Betrieben weltweit gekauft und Siemens Water Technologies in Nordamerika hat es lizensiert.
Yedioth Ahronot, 18.03.2008