Montag, 02.06.2008




Tommy Lapid gestorben

Der frühere israelische Justizminister Yosef („Tommy“) Lapid ist gestern im Alter von 77 Jahren seinem langen Krebsleiden erlegen. Der Holocaust-Überlebende gehörte zu den prominentesten Journalisten des Landes und war für seine scharfe Zunge und seinen trockenen Humor bekannt.

Lapid wurde 1930 in Jugoslawien als Kind ungarischer Juden als Tomislav Lampel geboren. Als Kind überlebte er in Budapest nur daher den Holocaust, da seine Mutter sich und ihn vor der Massenerschießung in einer Toilette versteckt hatte. Sein Vater wurde kurz vor Kriegsende von den Nazis ermordet. 1948 wanderte der 18jährige mit seiner Mutter nach Israel ein.

Als Journalist machte er sich vor allem als Kritiker religiösen Zwangs in Israel einen Namen. 1999 ging er als Vorsitzender der säkularistischen Partei Shinui in die Politik. Bei den Wahlen 2003 eroberte seine Partei 15 Sitze in der Knesset, er selbst wurde unter Ariel Sharon zum Justizminister ernannt. Bereits 2004 verließ er aus Protest gegen eine Zuwendung von hunderten Millionen Shekel an den ultraorthodoxen Sektor die Koalition und wurde Oppositionsführer. 2006 schaffte seine Partei den Einzug in die Knesset nicht wieder.

Tommy Lapid hinterlässt seine Frau Shulamit, zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Die Beerdigung findet am Montag in Tel Aviv statt.

(Haaretz, 02.06.08)

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert würdigte den Verstorbenen in der wöchentlichen Kabinettssitzung am Sonntag wie folgt: „Er gehörte seit Jahrzehnten zu meinen engsten und liebsten Freunden. Hier und heute möchte ich sagen, dass Tommy Lapid ein Jude durch und durch war. Es ist wahr, er hat den zeremoniellen Aspekten des Judentums nie Bedeutung zuerkannt, er war ihnen gegenüber sogar sehr kritisch, und mehr als einmal fand er sich wegen seiner Ansichten  in Konfrontationen mit Persönlichkeiten der Öffentlichkeit und Politik wieder.

Tommy Lapid war ein Holocaust-Überlebender und lebte sein gesamtes Leben mit einem starken Bewusstsein für den Holocaust, die jüdische Geschichte und das jüdische Schicksal sowie die Rolle des Staates Israel als  jüdischer Staat in der grausamen Realität der heutigen Welt. Es ist kein Wunder, dass ich niemanden für geeigneter für das Amt des Vorsitzenden des Yad Vashem-Beirats gehalten habe als ihn. In diesem Moment möchte ich meine tiefe Trauer und die der israelischen Regierung zum Ausdruck bringen. Ich bin sicher, dass ich im Namen der großen Mehrheit der Bürger des Staates Israel spreche, die fühlen, dass Tommy Lapid dem öffentlichen Leben in Israel seinen besonderen Stempel als brillanter Journalist und Minister aufgedrückt hat. Wir werden noch einen geeigneten Weg finden, die Liebe und Wertschätzung, die viele für ihn fühlen, auszudrücken. In diesem Moment umarme ich seine Frau und seine Kinder. Wir haben einen teuren Menschen verloren, einen teuren Juden und einen unersetzlichen Freund.“

(Außenministerium des Staates Israel, 01.06.08)