Freitag, 11.07.2008




Iranische Bedrohung: Arabischer Staat auf Israels Seite

Offizielle Vertreter eines arabischen Staates haben gegenüber Israel bei informellen Treffen angedeutet, dass sie nichts gegen eine israelische Militäroperation gegen den Iran einzuwenden hätten. Dies teilen politische Quellen in Jerusalem mit. Grund hierfür sei die Sorge vor dem wachsenden iranischen Einfluss in der Region, vor allem im Kreis der schiitischen Gemeinden in arabischen Staaten.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak wies gestern darauf hin, dass Israel bereit wäre, den Iran anzugreifen, als er sagte: „Israel ist der stärkste Staat in der Region und hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es nicht vor Aktionen zurückschreckt, wenn es um seine existentiellen Interessen fürchten muss.“

Die Vertreter des arabischen Staates versicherten ihren israelischen Gesprächspartnern, dass auch andere arabische Staaten wegen der iranischen Politik besorgt seien. Ein Teil der arabischen Staaten fürchtet, dass ein Machtzuwachs des Iran zur Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten führen könnte. Diese Sorge besteht freilich vor allem innerhalb arabischer Staaten mit einer schiitischen Minderheit.

In Bahrain beispielsweise sind die politischen Führungsfiguren Sunniten, 70% der Bevölkerung jedoch Schiiten. In Saudi-Arabien stellen die Schiiten ein Zehntel der Bevölkerung und leben hauptsächlich in den ölreichen Regionen, die für das Königtum von besonderer Bedeutung sind. Inoffiziell herrscht auch eine Rivalität zwischen dem sunnitisch-orthodoxen  saudischen Regime und dem iranischen Regime, dass sich die islamische Revolution gemäß dem schiitischen Modell einer Herrschaft von Religionsgelehrten auf die Fahnen geschrieben hat.

Vergangene Woche sagte der Kommandant der iranischen Armee, General Hassan Firusabad, dass der Iran bei einem Angriff die Straße von Hormus für die Schifffahrt schließen würde. Dies ist bereits das zweite Mal, dass iranische Offizielle diese Absicht erklären. Die Straße von Hormus, zwischen Iran und Oman,  passieren Tankschiffe, die riesige Mengen von Öl und Gas aus den Golfstaaten in die Welt liefern. Ihre Schließung würde weltweit eine empfindliche Steigerung der Energiepreise hervorrufen.

Die USA haben ihrerseits erklärt, dass sie eine Schließung der Meerengen nicht zulassen würden. Diese Woche beendete die amerikanische Marine ausgedehnte Manöver in der Region, bei denen offiziellen Mitteilungen zufolge die Verteidigung der Ölanlagen der Golfstaaten geübt wurde. An den Manövern nahmen auch Großbritannien, Bahrain und andere arabische Staaten teil.

Die politischen Quellen in Israel teilten der Haaretz mit, dass eine Eskalation der iranischen Erklärungen jene Golfstaaten in Sorge versetze, die an amerikanischer Verteidigung vor Teheran interessiert sind. „Wenn der Iran so droht, während er keine Atomwaffen hat, was wird er tun, wenn sein Atomprogramm voranschreitet?“, beschrieb eine der Quellen die Sorge der Golfstaaten.

(Haaretz, 11.07.08)

Unterdes hat US-Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch erneut bekräftigt, dass die USA Israel angesichts der iranischen Bedrohung beistehen würden: „Wir senden eine klare Botschaft an den Iran, dass wir amerikanische Interessen und die Interessen unserer Verbündeten verteidigen werden. Wir nehmen die Verpflichtung, unsere Verbündeten zu verteidigen, sehr ernst, und wir beabsichtigen, dies zu tun.“

(The Jerusalem Post, 10.07.08)


Eine ausführliche Dokumentation über das iranische Hegemonialstreben im Nahen Osten findet sich unter dem folgenden Link: http://www.jcpa.org/text/iran2-june08.pdf

(The Jerusalem Center for Public Affairs, 2008)