Donnerstag, 17.07.2008




Stellungnahmen von Israels politischer Führung

Präsident Shimon Peres:

„Ich folge den Vorgängen auf beiden Seiten.

Der Libanon feiert den ‚Sieg’. Die Staatsspitze und die Führung der Hisbollah heißen Samir Kuntar willkommen, einen Mörder, der den Schädel eines vierjährigen Mädchens, Einat, mit seinen bloßen Händen und dem Kolben seines Gewehrs zertrümmert und ihren Vater kaltblütig erschossen hat, ohne jemals sein Bedauern darüber auszudrücken.

In Israel ist eine ganze Nation in Tränen. Eine Nation, die zu einer Familie geworden ist – Goldwasser und Regev.

Israel hat einen hohen Preis gezahlt, um die beiden gefallenen Soldaten, Udi und Eldad, zurückzubringen. Wir wollten, dass diese Kameraden zuhause ruhen, umarmt von einer ganzen Nation.

Scheinbar zeigen die Medien, wo Agonie und Glück liegen. Wo ist der moralische Aufschrei? Bei denen, die einen fürchterlichen Mörder willkommen heißen? Oder bei einer Nation, die Gedenkkerzen entzündet für ihre tapfersten Soldaten, die bei der Verteidigung ihrer Heimat gefallen sind?

Die Antwort ist klar. Die Gerechtigkeit steht auf der Seite Israels. Die Gerechtigkeit ist die wahre Form des menschlichen Triumphs.

Mögen die Mörder nicht weiter frohlocken. Möge der Geist der Verteidiger in einem gerechten Krieg stolz bleiben.

Der Libanon wird beschämt sein; eine Scham, die für eine würdige Existenz notwendig ist. Wir werden uns im Andenken an die gefallenen Recken verneigen, und wir werden unsere Aufrichtigkeit bewahren als Nation, die die Moral als Leitprinzip hat.“


Ministerpräsident Ehud Olmert:

„Heute umarmt das ganze israelische Volk die Familien Regev und Goldwasser in ihrer Trauer. Die Augen fließen über vor Tränen, und das Herz gehört den Familienangehörigen, die gekämpft haben ohne Lebenszeichen und bis zur letzten Minute nie die Hoffnung verloren haben.

Dies ist ein Tag, um Zweifel zu beseitigen; sicherlich in Bezug auf das Schicksal von Udi und Eldad, ihr Andenken sei gesegnet, aber auch in Bezug auf die moralische und ethische Stärke des israelischen Volkes.

Kraft dieser Stärke haben wir uns dazu entschieden, die Jungs selbst zu dem Preis der Freilassung eines verwerflichen Mörders nach Hause zu bringen. Ein Ausländer wird nicht verstehen, was jedem Israeli bestens bekannt ist: Gegenseitige Verantwortung, die Sorge um das Schicksal jedes einzelnen unserer Soldaten sind der Kitt, der uns als Gesellschaft zusammenhält und es uns ermöglicht, umzingelt von Feinden und Terrororganisationen zu überleben. Glücklich ist das Volk, das solche Werte sein eigen nennt. Wehe dem Volk, das nun die Freilassung eines menschlichen Tieres feiert, dass den Schädel eines vierjährigen Mädchens zertrümmert hat.

Heute gehört mein Herz den Familien Goldwasser und Regev. Möge das Andenken der Jungs gesegnet sein.“


Stellvertretende Ministerpräsidentin und Außenministerin Tzipi Livni:

„Heute ist ein schwerer Tag für uns alle. Es ist ein schwerer Tag für die Familien von Eldad und Uri, die heute nach Hause zurückgekehrt sind, Familien, die das Außenministerium an jeden erdenklichen Ort auf der Welt begleitet hat – wir haben gehofft, für sie und für uns, wir waren zornig, und wir haben überzeugt.

Der heutige Tag, an dem wir uns mit den Familien freuen wollten, ist zu einem Tag des Schmerzes geworden.

Aber das israelische Volk – das Volk, das das Fehlen jedes einzelnen Soldaten spürt, der nicht zurück kommt -, dieses Volk fühlt sich, so hoffe ich, nun vollständiger, mehr im Reinen, da der Zweifel ausgeräumt ist; mehr im Reinen mit dem Wertesystem, das uns als Gesellschaft ausmacht; mehr im Reimen mit dem Bewusstsein, dass wir uns von anderen Völkern unterscheiden.

Dieses Wissen ist die Stärke der israelischen Gesellschaft, und es ist unabhängig von dem, was die andere Seite sagt; es hängt allein von uns ab.

Es hängt nicht davon ab, wie sie da drüben die Rückkehr eines Mannes feiern, den sie als ‚Held’ bezeichnen, weil er den Schädel eines kleinen Mädchens zerschmettert hat. Für mich hat das, was Leute sagen, deren Helden Schädelbrecher sind, die Frauen und Kinder jagen, um sie zu töten, keine Relevanz. Was wichtig ist, sind unsere Werte.

In unseren Augen ist ein Held jemand, der kämpft, um Zivilisten zu schützen, der um Überleben kämpft. Unsere Helden ziehen gewappnet in die Schlacht, ausgerüstet nicht nur mit ihren Waffen, sondern auch mit der Bereitschaft zum Opfer, in dem beruhigenden Bewusstsein, dass sie Menschen beschützen, die ihre Werte teilen und auch bereit sind, einen Preis dafür zu zahlen, um sie zu realisieren.

Heute darf kein Zweifel bestehen – so wie Israel bereit ist, den Preis für seine Werte zu bezahlen, wird Israel von seinen Feinden einen Preis fordern, einen hohen Preis, wenn immer es nötig ist, um sich selbst zu schützen.“

(Außenministerium des Staates Israel, 16.07.08)