Donnerstag, 17.07.2008




Der Krieg ist vorbei

Von Eyal Ben Reuven

Dies war ein trauriger und schwerer Tag für die Familien Regev und Goldwasser, für die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und für die gesamte israelische Nation. Gleichzeitig ist dies ein Tag der moralischen Stärke und der Solidarität mit den Kämpfern, die in der Schlacht gefallen sind und nun zu ihren Familien heimkehren.

Der heutige Tag markiert, in praktischer Hinsicht, das Ende des zweiten Libanonkriegs, eines Krieges, der vor allem von dem Verlangen geleitet war, unsere beiden entführten Soldaten nach Hause zu holen und die Hisbollah schwer zu treffen. Der Krieg hat seine Ziele nicht erreicht. Die zahlreichen Gründe dafür wurden bereits identifiziert, sowohl von der Winograd-Kommission als auch durch die andauernde öffentliche Debatte.

Heute sind Udi und Eldad heimgekehrt; nicht auf die Weise, wie wir erhofft und für die wir gebetet hatten, dass sie zurückkommen würden, aber dennoch, sie sind daheim, wo man sie nun beisetzen wird.

Die besondere jüdische moralische Sensibilität der israelischen Gesellschaft gegenüber allen Angelegenheiten, die die Verantwortung für die ausgeschickten Soldaten betreffen, sticht heute hervor in Anbetracht der abgestimmten Jubelrufe im Libanon anlässlich der Rückkehr des Hisbollah-‚Helden’, dem abscheulichen Mörder Samir Kuntar.

Dem herzzerreißenden Vorgang an der Grenze von heute Morgen war eine scharfe öffentliche Debatte vorangegangen, eine legitime und wichtige Debatte. Doch eines steht über allem: Die Pflicht, alles zu tun, um unsere Gefangenen und Vermissten zu lokalisieren und heimzuholen, selbst wenn der Preis schmerzlich und ungeheuerlich ist. Den Umständen entsprechend war es die richtige Entscheidung, mit dem komplexen Handel fortzufahren.

Wir müssen dieselben Prinzipien bei unseren Bemühungen um die Heimholung Gilad Shalits in Betracht ziehen. Gilad muss nach Hause zurückgebracht werden, und zwar je schneller desto besser. Die Dilemmata sind wohl bekannt, der Preis wird hoch sein, und die Zeit arbeitet gegen uns. Die bedrückenden Bilder von Ron Arad, die Anfang der Woche veröffentlich worden sind, unterstreichen die Notwendigkeit, Gilad schnell nach Hause zu holen.

Der Gefangenenaustausch, zwei Jahre nach dem Ende des zweiten Libanonkriegs, ist ein Moment der Selbstreflexion für beide Seiten. Es scheint, dass die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte unter der Führung von Generalmajor Gabi Ashkenazi die vergangen beiden Jahre für einen tiefgehenden Erneuerungsprozess genutzt haben, um zu ihren Wurzeln zurückzukehren und ihre Kommandanten und Soldaten zu inspirieren.

Ich bin überzeugt, dass die israelische Armee heute kraftvoller, besser vorbereitet und realistischer in Hinsicht auf die ihr bevor stehenden Bedrohungen ist. Eine Armee, die sich auch der Grenzen ihrer Macht und der Notwendigkeit einer breiten strategischen Vision bewusst ist, stellt die Basis dar für die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen. Sie ist die wahre Basis für die Erzeugung von Abschreckung und die Verhinderung zukünftiger Entführungen von Soldaten und Zivilisten.


Foto: IDF

Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte waren und sind die wichtigste Sicherheitsgarantie der Existenz des Staates Israel. Wir müssen dieses Gut über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg bewahren und hochhalten, denn dies ist eine Angelegenheit von Leben und Tod. Die Armee muss als einzigartige Komponente hohen Wertes gehegt werden.

Trotz der derzeitigen ‚Siegesfeiern’ der Hisbollah und trotz ihres Versuchs, die Rückkehr unserer Entführten als einen weiteren „göttlichen Sieg“ zu feiern, ist klar, dass auch die andere Seite einige Lektionen gelernt hat. Mehr als 1000 Opfer, eine immense Zerstörung der Infrastruktur und eine Wirtschaft, die sich noch nicht erholt hat, sind der Preis, den die Hisbollah für die Rückkehr von Samir Kuntar gezahlt hat. Ich gehe davon aus, dass die libanesischen Bürger keine weitere Auseinandersetzung suchen, und dies hat Implikationen für die Zukunft.

Die letzten Entwicklungen in Bezug auf Ron Arad zwingen uns, die Bemühungen um zuverlässige Informationen über ihn und all unsere anderen Vermissten fortzusetzen. Wir dürfen nicht die Hoffung verlieren. Wir dürfen den Fall nicht ohne eindeutige Beweise schließen, und wir dürfen nicht behaupten, dass wir alle Möglichkeiten ausgeschöpft hätten, denn so etwas gibt es nicht, wenn es um die Gewährleistung der Befreiung unserer Gefangenen geht. An dieser Front kann es nur ein Fazit geben: die Jungs nach Hause zurückzubringen.

Major d. Res. Eyal Ben Reuven diente während des zweiten Libanonkriegs als stellvertretender Kommandant des Nordkommandos. Gegenwärtig ist er Direktor der Born to Freedom Foundation.

(Yedioth Ahronot, 16.07.08)