Freitag, 25.07.2008




Gillerman – Israels Mann in New York

Nach fünfeinhalb Jahren, verlässt Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen Dan Gillerman sein Amt mit erhobenem Haupt. Bei seiner Ernennung durch den damaligen Außenminister Shimon Peres im Januar 2003 war er als Präsident der Israelischen Industrie- und Handelskammer noch ein Neuling auf dem diplomatischen Parkett. Mit seinem exzellenten Englisch und seinem Charme als „Mann des Volkes“ gelang es ihm jedoch bald, zahlreiche andere Diplomaten in seinen Bann zu ziehen, so etwa den pakistanischen UN-Botschafter Munir Akram.

„Der pakistanische Botschafter stand (Präsident Pervez) Musharraf sehr nahe“, erinnert sich Gillermann nun im Interview. „Unsere ersten Treffen fanden in schummrigen Bars und versteckten Hotelzimmern statt. Er hatte wirklich Angst, dass wir entdeckt würden. Über die Zeit entwickelte sich eine Freundschaft. Er war bei uns zuhause und wir waren bei ihnen zu Gast, wir gingen gemeinsam aus. Es wurde eine richtige Freundschaft.“

Benazir Bhutto, die als nächste Ministerpräsidentin Pakistans angesehen wurde, traf Gillerman einen Monaten vor ihrer Ermordung. „Das Treffen dauerte drei Stunden, während derer wir die israelisch-pakistanischen Beziehungen in einer sehr interessanten Art und Weise besprachen“, sagt Gillerman.

Seine Beziehungen zu dem UN-Botschafter des Oman, Mubarak Al-Hinai führten vor zwei Jahren zu einem Treffen der Außenminister beider Staaten in seiner Wohnung. Gillerman versuchte sogar, mit dem syrischen Kollegen Kontakt aufzunehmen, der Gerüchten zufolge von dem israelschen Botschafter in die Toilette verfolgt wurde. Gillerman leugnet zwar eine derartige “Toilettendiplomatie“, gibt jedoch zu, versucht zu haben, dem syrischen Abgesandten näher zu kommen: „Botschafter wie der syrische, der iranische und der libysche sagen nicht Hallo zu mir, nicht weil sie nicht wollen – sie haben Angst. Ich habe zu jedem Hallo gesagt. Ich habe mich nicht dafür abgezappelt, dass sie meine Hand schütteln. Diese drei haben wirklich Angst, und deswegen ist nichts passiert.“

Trotz aller Frustration, die Gillerman gerade im Zusammenhang mit dem zweiten Libanonkrieg und dem Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen bei der UNO erleben musste, hat er sich dort mit aufgerichtetem Rücke und hoch erhobenem Kopf umherbewegt.

Ich weiß, dass ich ein Land vertrete, dass viel besser ist als die meisten UNO-Mitglieder. Ein Land, das für die Welt, nicht nur für sich selbst, mehr als die meisten anderen geleistet hat. Daher war es wichtig für uns, der UNO israelische Kenntnisse in Bereichen wie der Wüstenbildung und der Landwirtschaft zu übermitteln, und nicht eine Delegation zu  sein, die sich nur mit der Frage des Konflikts beschäftigt.“

(Yedioth Ahronot, 25.07.08)