Freitag, 08.08.2008




Israel verstimmt über geplanten Türkei-Besuch Ahmadinejads

Israel hat gestern offiziell gegen den für nächste Woche geplanten Besuch des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad in der Türkei protestiert. Der türkische Botschafter in Jerusalem  wurde zu einem Gespräch ins israelische Außenministerium einbestellt, in dessen Verlauf betont wurde, dass Israel enttäuscht darüber sei, dass die Türkei einen politischen Führer zu einem offiziellen Besuch einlade und ihm dadurch Legitimität verschaffe, der öffentlich den Holocaust leugnet.

Gleichzeitig überreichte Israels Botschafter in Ankara, Gabi Levy, dem Generaldirektor des türkischen Außenministeriums eine Protestnote, in der die Besorgnis und das Unbehagens Israels ob des Besuchs Ahmadinejads zum Ausdruck gebracht wird; schließlich habe dieser wiederholt zur Vernichtung Israels – einem engen Verbündeten der Türkei - aufgerufen. Kritisiert wurde dabei auch das Timing des Besuchs zu einer Zeit, da die Verhandlungen zwischen dem Iran und den sechs Großmächten ein entscheidendes Stadium erreicht hätten.

Der iranische Präsident versucht bereits seit vier Jahren, einen Besuch in der Türkei zu organisieren. Bisher wurde ein solcher jedoch aus verschiedenen Gründen immer wieder abgesagt. In den vergangen Monaten haben sich die iranisch-türkischen Beziehungen vor dem Hintergrund türkischer Versuche zur Vermittlung zwischen den USA und der Iranischen Republik intensiviert.

Der geplante Besuch Ahmadinejads hat auch in der Türkei selbst zu heftigen Protesten geführt. Grund dafür ist u. a., dass sich der iranische Präsident weigert, einen Kranz auf dem Grab des Gründers der modernen Türkei, Kemal Atatürk, niederzulegen, da dieser den Islam bekämpft und die Türkei zu einem säkularen Staat gemacht habe.

(Haaretz, 08.08.08)

Unterdessen hat der libysche Staatschef Muamar al-Gadaffi während eines Besuchs in Tunis den Iran dafür kritisiert, trotz aller Widerstände „aus bloßem Hochmut“ auf seinem Atomprogramm zu beharren.

Ohne daran zu erinnern, dass Libyen selbst auf internationalen Druck hin seine nuklearen Bestrebungen eingestellt hat, warnte Gadaffi den Iran, dass ein militärischer Angriff die Islamische Republik in eine ähnliche Lage wie den Irak bringen würde, da sie auch nicht stärker sei als dieser 2003 am Vorabend des Krieges. Gleichzeitig warnte er jedoch auch die USA und Israel vor einem Militärschlag im Fall des Scheiterns einer diplomatischen Lösung.

(Reuters, Al-Hayat, Asharq Alawsat, 05./06.08.08)