Montag, 22.09.2008




Irans Wirtschaft anfällig für Sanktionen

Die wirtschaftliche Lage des Iran macht das Land anfällig für Sanktionen. Während sich die politische Führung darauf konzentriert, der internationalen Gemeinschaft die Stirn zu bieten, weicht sie der inneren Situation aus. Dabei wird die Mehrheit der Bevölkerung weitaus mehr von der wirtschaftlichen Notlage umgetrieben als von der Frage, ob und wann die Islamische Republik in den Besitz von Atomwaffen gelangt.

Der Außenhandel des Iran schrumpft weiter; die ausländischen Investoren flüchten das Land; die Inflation galoppiert; die Arbeitslosigkeit greift um sich; die Preise schnellen in die Höhe und reißen ein Loch in die Taschen der 70 Millionen Bürger.

Laut Angaben der iranischen Zentralbank hat die Inflation im August eine Rate von 27.6% erreicht, inoffizielle Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass sie mehr als 30% beträgt. Wenn die Preise für Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Reis, Milch und Brot nicht noch immer subventioniert werden würden, hätten sie sich bereits verdoppelt.

Eine vierköpfige Familie, die den Mindestlohn von etwa 215 $ im Monat verdient, muss beinahe 80% der Einnahmen für Nahrungsmittel ausgeben. Der iranischen Zeitung  Etemad zufolge haben sich die Nahrungsmittelausgaben einer solchen Familie im vergangenen Jahr von 90 auf 188 $ pro Monat verdoppelt.

Die Mehrheit der Iraner ist zwischen 15 und 30 Jahre alt. Viele tun sich schwer damit, Arbeit zu finden. Die Regierung beziffert die Arbeitslosigkeit mit 15%, die wirkliche Rate ist Schätzungen zufolge freilich doppelt so hoch. Mitunter scheint es, als ob die Jugendlichen im Iran mit einem Gefühl der Verzweiflung leben und sich mit der Lage ihres Landes abfinden. Andererseits wird jedoch möglicherweise eine weitere Verschärfung der wirtschaftlichen Not sie dazu anspornen, auf eine Veränderung der Lage hinzuwirken, um ihre Zukunft abzusichern.

Wie es scheint, liegt die Fähigkeit, wirtschaftlichen Druck auf den Iran auszuüben – und damit vielleicht seine politische Lage zu verändern -, derzeit in den Händen der europäischen Staaten. Diese rufen Teheran einerseits dazu auf, einen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft über sein Atomprogramm zu führen, während sie andererseits bis zum Hals in wirtschaftlichen Interessen im Iran stecken und jenen keine signifikanten Beschränkungen auferlegen, die Geschäfte mit dem Iran betreiben.

(Yedioth Ahronot, 19.09.08)