Dienstag, 07.10.2008




Querelen in der Grabeskirche

Die traditionellen Revierkämpfe in der Jerusalemer Grabeskirche könnten bald schwere Folgen nach sich ziehen. Das Kloster Dir al-Sultan, das sich auf dem Dach des Gotteshauses befindet, das nach christlicher Überlieferung auf dem Berg Golgatha errichtet wurde, ist unmittelbar vom Einsturz bedroht. Aufgrund des Konflikts zwischen der äthiopisch-orthodoxen und der koptischen Kirche kann jedoch nicht mit den notwendigen Bauarbeiten begonnen werden.


Baufällig - die Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt

Das Dachkloster, das der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde dient, ist bereits mehrere Hundert Jahre alt. Im März dieses Jahres wurde der israelische Bauprüfer Yigal Bergman mit einer Inspektion des Baus beauftragt. Seine Einschätzung war eindeutig: Der bauliche Zustand gefährde das Leben Dutzender Mönche und unzähliger Touristen, die zum Beten in die Grabeskirche kommen.

Dem israelischen Innenministerium ist der schwere Zustand der Anlage schon seit 2004 bekannt. Es hat seine Hilfe jedoch von einem Einverständnis der beiden Kirchen – auch die koptische erhebt Besitzanspruch auf das Kloster – abhängig gemacht hat. Davon ist man bislang freilich weit entfernt.

Jerusalems Bürgermeister Uri Lupolianski kündigte bereits an, dass er versuchen werde, zwischen den Kirchen zu vermitteln, um zu einem Einverständnis zu gelangen, das die Renovierung ermöglichen würde. Vertreter des Innenministeriums weisen darauf hin, dass sich das Gebäude nicht im besitz des Staates Israel, sondern der Kirche befinde und jegliche Einmischung Israels einen Konflikt mit Äthiopien und Ägypten nach sich ziehen würde.

(Haaretz, 07.10.08)