Donnerstag, 20.11.2008




Peres spricht im britischen Parlament

Israels Präsident Shimon Peres hat am Mittwoch eine Rede vor dem britischen Parlament gehalten. Nach einer Würdigung der Rolle Großbritanniens bei der Entstehung des Staates Israel widmete er sich  ausführlich den aktuellen Herausforderungen und Bedrohungen im Nahen Osten.

„Der Staat Israel begann Gestalt anzunehmen, als Großbritannien unter der Führung Winston Churchills die Welt vor der nationalsozialistischen Bedrohung rettete. Es war eine Zeit, da viele Staaten ihre Tore für die Holocaust-Überlebenden schlossen. Der im Werden begriffene jüdische Staat war alarmiert. Die Dringlichkeit des Aufbaus eines jüdischen Staates mit offenen Toren zur Aufnahme der Vertriebenen war existentiell. Unter der Führung von David Ben Gurion wurde es unsere erste Priorität. Die Berufung einer ganzen Nation.“

„Globale Bedrohungen einen uns. Ebenso globale Hoffnungen. Wir müssen Stellung beziehen gegen die Geißel des Terrors und der atomaren Bedrohungen.“

„Die Hamas weist den Kompromiss gewaltsam zurück. Sie fährt damit fort, Raketen auf israelische Zivilisten zu feuern. Wir können das Prinzip Land für Frieden verstehen, aber Land für Raketenfeuer werden wir nicht akzeptieren.

Die Hisbollah ist unbeugsam kriegerisch. Und die iranische Führung ist besessen mit ihrem Streben nach regionaler religiöser Vorherrschaft. Dieses Streben wird von Langstreckenraketen, angereichertem Uran und fanatischer Hetze getragen – all dies befeuert vom überhöhten Ölpreis. Der große Plan der iranischen Führung besteht darin, den Nahen Osten von einer Region der Nationen in einen religiösen Block zu verwandeln.

Sie versuchen jedem ihre Lehre aufzudrücken. Wer immer anderer Meinung ist, gilt als Ketzer und ist zum Untergang verurteilt. Der Konflikt im Nahen Osten dient als Nährboden für Ahmadinejad.

In Gesprächen mit arabischen Führern höre ich ihren Widerstand gegen jegliche Form von religiösem Kolonialismus.“

„Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung für den Stopp der iranischen Bedrohung. Angst muss mit Hoffnung beantwortet werden. Die gemäßigten arabischen Führer spüren, dass der Konflikt zum Ende kommen muss, bevor der Konflikt dem Nahen Osten ein Ende setzt. Die internationale Gemeinschaft muss den Iran daran hindern, die ohnehin fragile Stabilität in der Region zu erschüttern.

Der Nahe Osten braucht internationale Unterstützung, um einen Wandel möglich zu machen. Israel wird sein Möglichstes tun, um die Moderaten zu unterstützen. Einige der arabischen Führer, mit denen ich gesprochen habe, deuteten an, dass sie eine Lösung des palästinensischen Konflikts als Wegmarke für einen umfassenden Frieden im Nahen Osten betrachten würden.“

„Auf der einen Seite sehen wir, wie der iranische Radikalismus die Spaltung der internationalen Gemeinschaft anstrebt und den unverhältnismäßigen Preis für Öl. Er erlaubt ihnen, trotz ihrer schwächlichen Wirtschaft Vermögen in Massenvernichtungswaffen zu investieren. Die iranische Politik ist eine gravierende Gefahr für die Weltsicherheit. Der Weg ihr jetzt zu begegnen, ist eine wirtschaftliche Strategie, die Entwicklung honoriert und Kriegertum bestraft.

Auf der anderen Seite haben Europa, Japan und die Vereinigten Staaten ihre wirtschaftliche Verpflichtung gegenüber dem palästinensischen Staat im Werden bekundet. Sie mögen ihre Förderung eines neuen Nahen Ostens zugunsten von Menschen, nicht von Waffen, ausweiten.

Ein neuer Naher Osten könnte dem Beispiel der Europäischen Union folgen: politische Grenzen ohne wirtschaftliche Trennung. Es ist entscheidend, der Hetze ein Ende zu setzen und eine Sprache des Friedens einzuführen – sowohl in Gotteshäusern als auch in Schulen.“

Die vollständige Rede findet sich in englischer Sprache unter dem folgenden Link: http://www.mfa.gov.il/MFA/Government/Speeches+by+Israeli+leaders/2008/Peres-address-to-British-parliament-19-Nov-208.htm

(Außenministerium des Staates Israel, 19.11.08)