Montag, 24.11.2008




Tzipi Livni vor der Generalversammlung der UJC

Tikun Olam bedeutet wörtlich „die Welt einen besseren Ort machen“. Israel ist Teil des globalen Dorfs, das immer kleiner wird – und unsere Verantwortung, die Welt besser zu machen hat verschiedene Gründe. Ein Grund ist, dass dies Teil unserer Werte ist, als Israelis und als Juden. Wir glauben, dass man seinen Nachbarn lieben soll wie sich selbst und wir verstehen, dass wir dadurch bessere Menschen werden, wenn wir die Dinge für einen anderen Menschen gut machen.

Ich glaube, Tikun Olam bedeutet, zu beginnen, etwas für sich selbst zu tun und besser zu verstehen, wer man selbst ist, bevor man versucht, anderen zu helfen. Ich möchte gerne ein paar Worte über den Staat Israel und was ihn ausmacht sagen.

In einigen Teilen der Welt gibt es einen Prozess der Delegitimierung des Staates Israel als jüdischen Staat. Der Staat Israel wurde 1947 geboren, als die Vereinten Nationen sich für den so genannten Teilungsplan zur Festlegung der Grenzen zwischen Mittelmeer und Jordan entschieden. Es sollten zwei Staaten entstehen, einer von ihnen ein jüdischer Staat und der andere ein arabischer Staat. Doch heute sprechen die Menschen lediglich über den Staat Israel und wenn ich die internationalen Führer bitte, ein Wort zu ergänzen und zu sagen, dass es ein jüdischer Staat ist, dann gibt es solche, die dazu bereit sind und andere, die nicht dazu bereit sind.

Deshalb müssen wir in Israel zusammenarbeiten, in der gesamten israelischen Gesellschaft, aber auch mit den Juden in der Diaspora. Das Ziel des Staates Israel ist es, Israel als jüdischen und demokratischen Staat, als sicheren Staat im Lande Israel zu erhalten.

Was bedeutet das, ein jüdischer Staat? Es ist nicht nur eine Frage der Anzahl der Juden, die in Israel leben. Es ist nicht nur eine Frage der Statistik, sondern einer Frage der Werte. Der Jüdische Staat ist eine Angelegenheit der Werte, aber nicht nur der Religion, sondern auch der Nationalität. Ein jüdischer Staat ist kein Monopol der Rabbis. Es geht um jüdische Tradition und Geschichte, egal was jeder einzelne israelische Bürger am Samstag zuhause tut und wie er die jüdischen Feiertage begeht. Wir müssen den Charakter des Staates Israel erhalten, weil er die raison d’etre des Staates ist.

Wir müssen heute alle zusammenstehen, um die Herausforderungen von Tikun Olam zu erfüllen. Als Bürger der freien Welt müssen wir Extremismus entgegentreten, und vor allem dem iranischen Regime, das eine extreme islamische Theologie repräsentiert, die einen neuen Konflikt in der Region erzeugt und uns unser Lebensrecht nehmen will.

Nicht weniger wichtig ist der gemeinsame Kampf gegen den Antisemitismus, der sein hässliches Haupt in verschiedenen Orten auf der Welt erhebt. Ich glaube, es ist nicht nur die Aufgabe der Juden im Staat Israel, Antisemitismus zu bekämpfen. Ich glaube es ist die Verantwortung jedes Führers auf der Welt, weil es die Gesellschaft widerspiegelt, in der wir leben.

Vielleicht gehört es auch zu Tikun Olam, diese Region einen besseren Ort zum Leben zu machen. Ich glaube es ist Teil der Verantwortung jeder israelischen Regierung, zu versuchen, Frieden mit unseren Nachbarn zu erreichen. Es ist im israelischen Interesse, diese Vision in zwei Staaten für zwei Völker zu übersetzen, die in Frieden und Sicherheit Seite an Seite leben. Von diesen beiden Staaten ist Israel der jüdische Staat und der andere Staat die volle Antwort auf die Bestrebungen der Palästinenser – und das bedeutet, dass keine Flüchtlinge nach Israel kommen werden.

Während wir Fortschritte machen, um Frieden zu erreichen, erwarten wir von der internationalen Gemeinschaft, dass sie die legitimen Interessen Israels absichert.

Wir kooperieren mit Menschen in verschiedenen Teilen der Welt und versuchen der internationalen Gemeinschaft zu helfen, die Herausforderungen zu bewältigen, denen sie sich ausgesetzt sieht – wie etwa die Wasserkrise, Erderwärmung und Lebensmittelversorgung. Der Staat Israel ist ein kleiner Ort. Die Propheten, die hierher kamen, haben uns kein Wasser versprochen, aber wir werden damit fertig. Wir sind stolz auf unsere Kreativität und unsere Leistungen und unsere Technologie und unsere Landwirtschaft – und dies ist Teil unseres Beitrags zur internationalen Gemeinschaft.

(Auszüge aus der Rede von Außenministerin Tzipi Livni vor der Generalversammlung der United Jewish Communities in Jerusalem am 19. November 2008 in Jerusalem. Vollständige Rede in englischer Sprache: http://www.mfa.gov.il/MFA/Government/Speeches+by+Israeli+leaders/2008/Address_FM_Livni_UJC_GA_19-Nov-2008.htm )