Donnerstag, 11.12.2008




Türkischer Außenpolitiker warnt vor iranischer Bedrohung

Auch die Türkei fühlt sich von dem iranischen Atomprogramm bedroht. Dies bekräftigte nun Murat Mercan, einer der einflussreichsten Außenpolitiker der Türkei, bei einem Besuch in Israel. Mercan war auf Einladung des Adelson Institute for Strategic Studies des Shalem Centers nach Jerusalem gereist. Er ist der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des türkischen Parlaments und ein hochrangiges Mitglied der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP).

Mercan unterstrich in einem Gespräch mit der Haaretz, dass Israel nicht das einzige Land sei, dass sich vom Iran bedroht fühle: „Der Iran ist vor allem anderen eine Bedrohung für uns.“

Zu der Tatsache, dass die Türkei dennoch jüngst eine gemeinsame Absichtserklärung mit der Islamischen Republik zur Entwicklung von Gasfeldern im Südiran unterzeichnet hat, bemerkte er: „Wir weichen nicht von der Politik der Sanktionen ab, da eine gemeinsame Absichtserklärung nicht bedeutet, dass konkret irgendetwas getan wird. Allgemein wird die Türkei sich nicht von der vom UN-Sicherheitsrat akzeptierten Politik gegenüber dem Iran entfernen.“ Nach einer kurzen Pause fügte er mit Blick auf Handelsabkommen Deutschlands und der Schweiz mit dem Iran hinzu: „Man kann von der Türkei nicht erwarten, dass sie in Bezug auf eine Zusammenarbeit mit dem Iran mehr tut als andere Länder.“

Mercan geht weiterhin davon aus, dass Sanktionen das sinnvollste Mittel zur Eindämmung des iranischen Atomprogramms seien, wenn er auch nicht sicher ist, dass es realistisch sei, vollständige Sanktionen zu erwarten, solange es noch immer Länder gebe, die dagegen ihr Veto einlegen.

(Haaretz, 10.12.08)