Montag, 26.01.2009




Mor: Gaza ist nicht Belfast

Israels Gesandter in Deutschland, Ilan Mor, erklärt im Tagesspiegel den wesentlichen Unterschied zwischen den Konflikten im Nahen Osten und in Nordirland und warum man die Hamas nicht als Verhandlungspartner betrachten kann.

„Obgleich sich in Nordirland Katholiken und Protestanten gegenüberstanden, handelte es sich dort doch bekanntlich nicht primär um einen religiösen, sondern um einen politischen Konflikt. Anders im Gaza-Streifen, wo die Hamas mit iranischer Unterstützung ein radikal-islamistisches Terrorregime installiert hat, das einem Todeskult frönt und sich um realpolitische Erwägungen nur wenig schert, wenn überhaupt. Folgerichtig wird sie auch von der EU als Terrororganisation eingestuft.

Noch schwerer wiegt jedoch, dass sich weder Sinn Fein noch die IRA jemals auf die Vernichtung ihres Gegners eingeschworen haben. Eben dies ist aber bei der Hamas der Fall. Noch immer fühlt sie sich aktiv ihrer Gründungscharta vom August 1988 verpflichtet,  in der sie explizit zur Vernichtung Israels aufruft: ‚Israel existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon andere Länder vorher ausgelöscht hat’, heißt es dort gleich in der Präambel. Und weiter unten steht zu lesen: ‚Das jüngste Gericht wird nicht kommen, solange die Muslime nicht die Juden bekämpfen und sie töten.’

Solange die Hamas sich nicht von dieser Position entfernt - und die Zeichen dafür stehen schlecht -, ist mit ihr kein Staat zu machen (und auch kein Friedensprozess). Der frühere First Minister Nordirlands, Lord David Trimble, der für seine Verdienste um die Lösung des Nordirlandkonflikts den Friedensnobelpreis erhalten hat,  bemerkte vor eineinhalb Jahren treffend: ‚Wenn eine Lehre aus der Erfahrung in Nordirland gezogen werden kann, dann liegt sie darin, dass Vorbedingungen entscheidend dafür sind, ein Ende der Gewalt und ein Abkommen herbeizuführen. Zu viel Großzügigkeit gegenüber extremistischen Gruppen ist so, wie wenn man einem verwöhnten Kind Süßigkeiten gibt, damit es sein Verhalten ändert – es führt normalerweise zu noch schlimmerem Verhalten’ (The Guardian, 25.10.07). Trimble sprach dabei von der Hamas. Und er wusste, wovon er sprach.“

Der vollständige Text findet sich unter dem folgenden Link: http://www.tagesspiegel.de/meinung/leserbriefe/Leserbriefe;art144,2714450

(Der Tagesspiegel, 25.01.09)

Wie er nun in einem Interview mit der Lausitzer Rundschau noch einmal betont hat, hält Mor generell an seiner Befürwortung der Zwei-Staaten-Lösung fest: 

„Es gibt keine bessere Alternative. Kein binationaler Staat, kein islamischer Staat, sondern zwei Staaten – für die Israelis und für die Palästinenser.“

Was die europäische Berichterstattung zur Lage im Nahen Osten angeht, bemängelt der Diplomat:

„Es fehlt oftmals das Verständnis dafür, warum wir so agieren. Wenn wir auf die Angriffe reagieren, machen wir das, weil wir das machen müssen. Man muss in Israel gewesen sein, um das zu verstehen. Wenn ich im Bus sitze, kann ich nicht sofort meine Zeitung lesen, sondern muss mich umschauen, ob kein Terrorist neben mir sitzt. Was sollen wir tun? Einfach nicht reagieren? Man darf nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Stellen Sie sich vor, jeden Tag würden zahlreiche Raketen auf Deutschland abgefeuert. Was hätte die deutsche Regierung gemacht? Ich bin fest davon überzeugt, dass sie reagieren würde.“

Das vollständige Interview gibt es unter dem folgenden Link: http://www.lr-online.de/nachrichten/LR-Themen;art1065,2369219

(Lausitzer Rundschau, 24.01.09)


Eine eingehende Lageanalyse zu Ursache, Verlauf und Folgen der jüngsten israelischen Militäroperation im Gaza-Streifen hat Ilan Mor im Rahmen eines Interviews mit TV Berlin dargelegt. Um der komplexen Situation vor Ort begegnen zu können, mahnt er Geduld und Entschlossenheit an.

Teil 1: http://www.kewego.de/video/iLyROoafJQAY.html
Teil 2: http://www.kewego.de/video/iLyROoafJQGZ.html

(TV Berlin, 24.01.09)