Dienstag, 27.01.2009




Holocaust-Überlebende fürchten die Wirtschaftskrise

In Israel leben heute noch etwa 230 000 Überlebende des Holocaust. Wie die für sie zuständige Wohlfahrtsorganisation nun anlässlich des internationalen Gedenktags mitteilte, leben 60 000 von ihnen in Armut.

Wie Guy Afari, der geschäftsführende Direktor der Stiftung für das Wohlergehen der Holocaust-Überlebenden in Israel, berichtet, haben Sozialarbeiter in jüngster Zeit ein neues Phänomen beobachtet: Die Überlebenden horten aus existentieller Angst wegen der Wirtschaftskrise und ihren drohenden Auswirkungen in Israel Lebensmittel in ihren Wohnungen.

„Die ökonomische Krise hat auch die Holocaust-Überlebenden, für die sowieso jeder Tag ein Kampf ums Überleben darstellt, ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen“, so Afari. „Viele von ihnen stützen sich auf die Hilfe von Organisationen, die nun am Rande des Kollapses stehen.“ Auch die Unterstützung durch Familienangehörige ist in den Augen vieler gefährdet.

Afari weist auch auf die traumatisierenden Erfahrungen der Raketenalarme und -angriffe hin, denen jüngst viele in Israel ausgesetzt gewesen sind. Pircha Wiesel, eine 82jährige Holocaust-Überlebende aus Ashkelon, erzählt: „Es hat mich an den Krieg erinnert, den ich erlebt habe. Die ganze Zeit hindurch habe ich mich hilflos gefühlt. Ich bin sehr krank und konnte nicht in den Schutzraum rennen.“


(Yedioth Ahronot, 27.01.09)