Dienstag, 27.01.2009




DIG-Mitteilungen zum Holocaust-Gedenktag

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft ruft im Gedenken an die Opfer des Holocaust zum Kampf gegen den Antisemitismus auf. Anlässlich des heutigen internationalen Holocaustgedenktags hat DIG-Präsident Dr. h. c. Johannes Gerster die folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

„Der Holocaustgedenktag erinnert an die 6 Millionen Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns, des wohl größten Völkermordes in der Geschichte der Menschheit. Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz, das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager befreit.  Die Erinnerung verpflichtet, nicht nur zu reden, sondern zu handeln.

Der Holocaustdenktag gibt besonders in diesem Jahr Anlass, den in unserer Gesellschaft wachsenden Antisemitismus im Gewand eines handfesten Antiisraelismus zu beklagen und überfällige Taten einzufordern.

So haben die sogenannten Friedensdemonstrationen der letzten Wochen gezeigt, dass der Antisemitismus in Deutschland immer lauter und frecher von rechts, von links und von moslemischen Gruppierungen  gepflegt und verbreitert wird. Natürlich kann und muss man jeden Krieg nicht nur kritisch hinterfragen, man kann und muss auch jeweilige Kriegshandlungen beurteilen und verurteilen können. Aber bitte fair und sachlich und nicht einseitig blind und verblendet.

Was in den letzten Wochen auf deutschen Straßen und Plätzen an Einseitigkeit in der Wahrnehmung von Ursache und Wirkung dieses Konfliktes  sowie an Hass und Gewaltbereitschaft  gegen Israel verbreitet wurde, hat mit Friedenswillen  nichts, mit der Beförderung von alten und gerade in Deutschland als überwunden geltenden Denkschematas wie Extremismus, Rassismus und Antisemitismus viel zu tun. Ich verstehe eine betagte Jüdin, die mich darauf hinwies, dass diese Form von Hass nach Art des Stürmers den Holocaust vorbereitet habe.

Wahrscheinlich ist auch Ihnen aufgefallen, dass auf den Solidaritätsdemonstrationen für Israel immer der Opfer auf beiden Seiten gedacht wurde, was bei den pro-palästinensischen Demonstrationen völlig undenkbar erschien. Dort ging es nicht um Frieden, dort ging es um Hass und Gewalt, um billigen Antisemitismus. Werte wie Toleranz, Pluralismus, Gewaltlosigkeit suchte man bei Rednern und auf den mitgetragenen Transparenten vergeblich.

Die Demonstrationen der letzten Wochen haben eine neue Dimension in Sachen Gewaltbereitschaft offenbart. Es ist höchste Zeit, den Worten zum 27. Januar Taten folgen zu lassen: Verbietet die Machenschaften von verfassungsfeindlichen Gruppierungen, wie z. B. Hamas und Hisbollah, in Deutschland. Auch das antisemitische Treiben von rechts- und linksradikalen Gruppierungen muss genauer analysiert und im Rahmen von Recht und Gesetz verhindert werden.

Der 27. Januar mahnt uns, zu erinnern, zu gedenken, aber auch zu handeln.“

(DIG, 25.01.09)

Auch die DIG-Arbeitsgemeinschaft Ulm/Neu-Ulm unter ihrem Vorsitzenden Wolfgang Müller hat eine Pressemitteilung veröffentlicht:

„Am 27. Januar 1945 wurde das größte Vernichtungslager der Nazis, Auschwitz, befreit. An diesem 27. Januar gedenken wir jährlich der 6 Millionen Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. Die weitaus größte Zahl der Opfer waren deutsche und europäische Juden. Die Erinnerung daran verpflichtet.

In diesen Tagen wurde in Kassel ein Informationsstand pro Israel aufgebaut. Gleichzeitig hat das linksgerichtete ‚Kasseler Friedensforum’ zu einer pro-palästinensischen Demonstration aufgerufen. Die Folge war: Der Informationsstand pro Israel wurde praktisch zerstört, Fahnen und Transparente wurden zerrissen, Stellwände eingetreten. Das Standpersonal wurde handgreiflich bedroht und mit Parolen wie „Kindermörder“, ‚Terroristen’, ‚Tod für Israel’, ‚Tod allen Juden’ und ‚Juden raus’ beschimpft. Vergleichbare Vorkommnisse waren in Duisburg, Frankfurt/Main, Berlin zu beklagen. In Hamburg hat die deutsche Polizei israelische Fahnen an Häusern abgehängt.

Der Antisemitismus in Deutschland wird lauter und frecher von rechts, von links und, Arm in Arm mit moslemischen Gruppierungen, verbreitet. Deutsche Antisemiten, die es immer gab, kommen jetzt nach dem Gazakonflikt pöbelnd aus ihren Löchern und fühlen sich bestärkt.

Was in den letzten Wochen auf deutschen Strassen und Plätzen an Einseitigkeit in der Wahrnehmung von Ursache und Wirkung des jüngsten Konfliktes im Gazastreifen, sowie an Hass und Gewaltbereitschaft gegen Israel verbreitet wurde, hat mit Friedenswillen nichts zu tun. Wohl aber mit der Beförderung alter Denkvorstellungen wie Rassismus und Antisemitismus, die gerade in Deutschland  überwunden schienen. Dies alles war seinerzeit, in der dunklen Zeit in Deutschland, die Einleitung und Vorstufe zum Holocaust.

Wehret den Anfängen! Es ist höchste Zeit!

Verbietet endlich die Machenschaften von verfassungsfeindlichen Gruppierungen, wie Hamas, Hisbollah und andere in Deutschland. Desgleichen das antisemitische Treiben von linken wie rechten Gruppierungen, das kritischer analysiert und im Rahmen unseres Rechtsstaates nach Recht und Gesetz verhindert werden muss.

Dies sind wir den 6 Millionen Opfern schuldig, ganz besonders in Deutschland und am Holocaust-Gedenktag.“

(DIG Ulm/Neu-Ulm, 26.01.09)