Montag, 09.03.2009




Israels Botschaft in Mauretanien geschlossen
Auf Druck von Libyen und Algerien hat Mauretanien Israels Botschafter des Landes verwiesen. Im israelischen Außenministerium teilte man mit, dass die Botschaft in Nouakchott geschlossen worden und Botschafter Michael Arbel in Urlaub gegangen sei; die Beziehungen zwischen beiden Staaten seien jedoch nicht abgebrochen worden. Hinter der Angelegenheit steht womöglich auch der Iran.

Am 16. Januar hatte der Anführer des Militärputsches in Mauretanien im August 2008, General Mouhmad Abd el-Aziz, die Einfrierung der Beziehungen mit Israel wegen der Militäroperation Gegossenes Blei verkündet. Israel und Mauretanien unterhalten seit 1999 diplomatische Beziehungen.

Vor einigen Wochen haben der mauretanische Botschafter in Tel Aviv und einige seiner Mitarbeiter ohne vorherige Ankündigung Israel verlassen. Die Gespräche mit den israelischen Diplomaten in Mauretanien gingen wie gewohnt vonstatten.

Vor einer Woche kam es zur Eskalation in der mauretanischen Position, und das dortige Außenministerium bekundete den Wunsch, dass der israelische Botschafter das Land verlasse. Israel hat diplomatische Anstrengungen vor Ort und bei den Außenministerien Spaniens, Deutschlands und Frankreichs unternommen, die enge Beziehungen mit Mauretanien unterhalten. Israels Außenministerin Tzipi Livni sprach wiederholt mit ihren Kollegen in diesen Staaten, damit sie Druck auf Mauretanien ausüben würden, „keine unumkehrbaren Schritte zu tun“.

Am Freitag zeichnete sich ab, dass die Schließung der Botschaft nicht mehr verhindert werden konnte, und das Außenministerium in Jerusalem erklärte, dass Botschafter Arbel in Urlaub gehen und die Botschaft geschlossen werde. In Nouakchott entwickelte sich im Umfeld der Botschaft ein Drama. Die örtlichen Sicherheitskräfte kamen mit Fernsehteams zum Gelände und begannen die Straßensperren an den umliegenden Straßen und die Betonblöcke abzubauen, die zum Schutz der Botschaft vor Beschuss und mit Sprengstoff geladenen Autos dienten. Die Sicherheitsleute, die das Gebäude bewachten, verschwanden.

Nach Intervention Israels und ausländischer Außenministerien wurde beschlossen, den Schutz der Botschaft wieder aufzunehmen und dem Bostchafter einen würdigen Abgang zu ermöglichen. Arbel hat das Land am Samstag verlassen.

Im Außenministerium betonte man, dass es sich nicht um den Abbruch der Beziehungen handele, sondern nur um die Schließung der Botschaft.

Quellen im Außenministerium zufolge rührt die Entscheidung Mauretaniens vom Druck arabischer Staaten, vor allem Algeriens und Libyens, her. Der libyische Staatschef Muamar Ghaddafi, der am Montag in Mauretanien eintreffen soll, hat verlauten lassen, dass er eine Zurückschraubung der Beziehungen mit Israel erwarte.

Vor gut einer Woche hat der Stellvertreter des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmedinejad Mauretanien besucht und ein Geldpaket von 10 Millionen Dollar in Nouakchott gelassen.

(Haaretz, 08.03.09)