Donnerstag, 12.03.2009




Iran greift nach Lateinamerika
Der Iran arbeitet emsig daran, seinen Einfluss in Lateinamerika auszubauen. Neue Handelsabkommen mit Ecuador sollen nun zusätzlich die wirtschaftlichen Außenbeziehungen der Islamischen Republik verbessern und eine pro-iranische Stimmung in dem südamerikanischen Staat befördern.

Der stellvertretende iranische Energieminister, Hamid Chitchian, traf sich in der vergangenen Woche mit Präsident Rafael Correa in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito, wo sie mehrere Abkommen unterzeichneten, darunter ein 120-Millionen-Dollar-Geschäft zum Bau von Kraftwerken. Außerdem hat Teheran sich verpflichtet, 40 Millionen $ in kleinere Unternehmen zu investieren. Bereits im vergangen Jahr hatte die Islamische Republik Ecuador 280 Millionen $ für den Bau einer Ölraffinerie geliehen.

Während des Besuchs Chitchians äußerte Präsident Correa gegenüber der Presse, dass kein Grund dafür bestehe, die Beziehungen mit dem Iran abzubrechen; dieser habe „nichts Falsches“ getan. Correa hatte im vergangenen Jahr den Iran besucht und dort einen Vertrag über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen unterzeichnet.

Der Iran hat in den vergangenen Jahren verstärkt in südamerikanischen Staaten Fuß gefasst, die als Gegner der USA in Erscheinung treten. In Venezuela, Bolivien, Chile und Nicaragua wurden iranische Botschaften eröffnet, und es besteht Verdacht auf Geheimdienstaktivitäten.

Im israelischen Außenministerium betrachtet man die Entwicklung einer fortdauernden Durchdringung Südamerikas durch den Iran mit großer Sorge. Sprecher Yossi Levi sagte gestern: „Wir bedauern, dass Ecuador entschieden hat, sich in die Richtung eines Bündnisses mit einem Staat wie Iran zu begeben.“

(Haaretz, 12.03.09)


Unterdes berichten zwei ausländische Diplomaten in Teheran, dass die staatliche Automobilfirma Iran Khodro versucht hat, das UN-Embargo zu umgehen und im großen Stil Kohlefaser einzuführen. Diese ist eine Komponente fortentwickelter Zentrifugen, die zur Urananreicherung eingesetzt werden.

Dass die versuchte Anschaffung auf Anweisung des Nationalen Sicherheitsrats erfolgte, ist ein Indiz dafür, dass es sich dabei nicht um automobilindustrielle Bedürfnisse handelte. Der Nationale Sicherheitsrat ist für das iranische Atomprogramm verantwortlich.

(Haaretz, 12.03.09)