Mittwoch, 18.03.2009




Olmert: Es gibt rote Linien
Das israelische Kabinett ist am Dienstagabend von Yuval Diskin, dem Leiter der Allgemeinen Sicherheitsbehörde (SHABAK,) und Ofer Dekel, dem Sondergesandten von Ministerpräsident Ehud Olmert, über das Scheitern der Verhandlungen über die Freilassung des von der Hamas entführten Soldaten Gilad Shalit unterrichtet worden.

Die Terrororganisation hatte die groß angelegte Medienkampagne in Israel zur Freilassung Shalits offensichtlich dahingehend interpretiert, dass die israelische Regierung vor allen ihren Forderungen kapitulieren würde, und sich noch zu einer Verhärtung ihrer maßlosen Forderungen zur Massenbefreiung von Top-Terroristen angespornt gefühlt.

Olmert wandte sich im Anschluss an die Bürger seines Landes, um ihnen die Situation zu erklären.

„So lange ich an ihrer Spitze stehe, wird die Regierung Israels keiner der Bedingungen oder Weisungen der Hamas zustimmen, wie sie dem Verhandlungsteam präsentiert worden sind. Israel hat der Gegenseite generöse, weit reichende und beispiellose Angebote unterbreitet, die zur Freilassung von Gilad führen sollten. Ich habe diese Angebote abgesegnet; ihre praktische Bedeutung war die Freilassung vieler hundert Terroristen, darunter Mörder israelischer Bürger, für die Möglichkeit einer Freilassung Gilads. Diese Angebote wurden zurückgewiesen. Andere werden der Hamas nicht gemacht werden.

Wir werden einer Freilassung von mehr Gefangenen auf der Hamas-Liste über die Hunderte von Namen hinaus, die wir bewilligt und bekannt gegeben haben, nicht zustimmen.

In den vergangenen Jahren bin ich bei Dutzenden von Treffen mit Staatschefs und anderen Personen immer wieder gefragt worden: Warum seid ihr im State Israel mitunter bereit, eure existentiellen Interessen für das Schicksal eines Menschen zu untergraben? Sie verstehen das nicht; sie handeln so nicht. Ich spreche hier von unseren besten freunden, Ländern mit einer der unseren ähnlichen Lebensart, mit ähnlichen Kulturen und Werten; Politiker, die wirklich das Beste für Israel wollen.

Ich habe Ihnen stets geantwortet, dass das jüdische Volk andere Erinnerungen und Schmerzen mit sich trägt; dass wir mit Narben leben und Schmerzen, die  sie nie erfahren oder erleiden mussten. Und dass wir hierher gekommen sind, in unser Land, um in Sicherheit zu leben, damit niemand uns bekämpft und wir gegen niemanden kämpfen müssen, damit man uns kein Leid zufügt und wir niemandem Leid zufügen müssen, damit unsere Kinder nicht verschleppt und wir nicht in Aktionen gegen die Bürger anderer Völker hineingezogen werden würden.

Am Ende ist das Band, das die israelische Gesellschaft vereint, vielleicht mehr als alles andere, die gegenseitige Garantie, das Pflichtgefühl und die Erkenntnis, dass der, der „ein Leben in Israel rettet, eine ganze Welt rettet“.

Daher haben wir jahrelang auf geheimen, mutigen und noch nie da gewesenen Wegen darauf hingearbeitet, unserer Kinder nach Hause zu holen; wir haben so auch gehandelt, um Gilad nach Hause zu bringen – bislang ohne Erfolg. Wir werden in dieser weise fortfahren. Wir werden mit jedem sprechen, mit dem wir sprechen können. Wir werden unsere Bemühungen nicht einstellen.

All die Jahre hatten wir Treffen in endlosen Kanälen, unterschiedlichsten Orten auf der Welt – in unserer Region und weit entfernten Orten, um einen Weg zu finden, der zu Gilads Freilassung führt. Wir haben uns verschiedener Vermittler bedient; wir haben Hilfe von Weltpolitikern erfahren, und auch von inoffiziellen Vertretern. Wir haben keine Mühe gescheut.

Leider sind wir an eine grausame Gruppierung geraten, eine bar jeglicher menschlicher Gefühle, mörderisch und erbarmungslos, die nicht willens war, der Herausforderung zu begegnen.

Ich möchte im Namen des Staates Israel und seiner Regierung erklären: Wir haben rote Linien. Wir werden sie nicht überschreiten. Wir sind kein gebrochenes Volk. Wir sind keine besiegte Nation. Ein Volk, das das Leben schätzt, eines, das von feindlichen Staaten umgeben, von mörderischen Terrororganisationen bedroht ist, kann sich nicht, will sich nicht und wird sich nicht jedem Diktat unterwerfen. Die Regierung Israels unter meiner Führung, wird dies nicht tun.“

Die vollständige Stellungnahme Olmerts gibt es unter dem folgenden Link: http://www.mfa.gov.il/MFA/Government/Communiques/2009/Special_Cabinet_meeting_release_Gilad_Shalit_17-Mar-2009.htm

(Außenministerium des Staates Israel, 17.03.09)