Freitag, 24.08.2007




Tel Aviv beliebt wie nie zuvor

Immer mehr Israelis wollen in Tel Aviv leben. Die Stadtverwaltung erwartet, dass das Jahr 2007 als dasjenige in die Geschichte eingehen wird, in der die Einwohnerzahl erstmals den bisherigen Rekord von 386 000 aus dem Jahr 1961 überschreitet. Dieses symbolische Faktum verweist auf einen bereits seit mehreren Jahren anhaltenden Trend: Die Stadt ist zum wichtigsten und beinahe einzigen kulturellen Zentrum des Landes geworden.

1961 endete die erste Blütezeit der Stadt. In den Jahren darauf setzte die Flucht in den „Traum der Vorstadt“ ein – Nähe zum Boden, ausreichend Parkplätze und ein Grünstreifen vor dem Schlafzimmerfenster. Die Wohnungen der Stadt galten auf einmal als klein und muffig und Tel Aviv an sich als wenig einladend.  In den 80er Jahren wurde die Bezeichnung „Stadt ohne Pause“ zum offiziellen und populären Slogan. Doch die jungen Leute, die in Massen in die Großstadt strömten, heirateten, bekamen das erste Kind – und zogen weg in die Vororte. Der Tiefpunkt war 1988 erreicht, als die „weiße Stadt am Meer“ nur noch 317 000 Einwohner zählte.

Der erste Wiederanstieg der Bevölkerungszahl setzte in den frühen 90er Jahren im Zuge der Einwanderungswelle aus der früheren Sowjetunion ein. Die Alteingesessenen verließen die Stadt jedoch nach wie vor. Der signifikante Umschwung vollzog sich dann um die Jahrtausendwende. 2003 war der Zuzug wieder höher als der Wegzug. Während das primäre Wachstum wiederum auf die Altergruppe zwischen 25 und 44 zurückzuführen ist, entscheiden sich inzwischen nun immer mehr, auch nach der Familiengründung in der Stadt zu bleiben.

Die Kluft zwischen Tel Aviv und anderen Großstädten in Israel wird dabei immer breiter. Keine andere Stadt kann mit Tel Aviv in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht konkurrieren. Ein kleines Beispiel mag dies verdeutlichen: Während es in Jerusalem 18 und in Beer Sheva 8 Kinos gibt, sind es in Tel Aviv ganze 42. Laut Yitzhak Schnell,  Professor für soziokulturelle Geographie an der Tel Aviv University, zeichnet sich die Stadt durch Kompaktheit und Vielfarbigkeit aus: „Es ist die einzige Stadt, in der ein Homosexueller sich wohl fühlen oder eine unverheiratete und kinderlose Frau über 30 ohne Kainsmal auf der Stirn leben kann.“

(Ha’aretz, 17.08.07)