Freitag, 03.07.2009




Mor fordert mehr Druck auf den Iran
Israels scheidender Gesandter in Deutschland, Ilan Mor, hat sich im Interview mit dem Deutschlandfunk zu den aktuellen Entwicklungen im Iran und der Situation im Nahen Osten geäußert.

„Ich glaube, was wir heute in den Straßen von Teheran sehen ist erst mal zu bewundern und zweitens natürlich auch zu begrüßen. Es ist eine Gesellschaft, die nicht mehr unter Druck leben möchte, und sie sagen das mit unmissverständlichen Worten. Aber das Problem ist, dass der Ahmadinedschad und seine Komplizen weiter an der Macht bleiben und sie bestimmen die Realität, sie treffen die Entscheidungen, und die Entscheidung ist, so lange es keine andere Entscheidung gibt, mit dem Atomprogramm weiterzumachen.”

„Sie versuchen immer wieder, den schwarzen Peter irgendwo anders hinzuschieben, und zu sagen, dass der Iran unter Druck ist, die Amerikaner möchten Iran so weiter bedrohen, angreifen und so weiter, ich sehe keine sofortigen Gründe dafür. Ich glaube, egal was die Regierung in Teheran sagt, gibt es eine Reihe von offenen Fragen, was das Atomprogramm anbelangt, und diese Fragen müssen beantwortet werden, egal ob die Gesellschaft - und ich glaube fest daran, dass auch die Gesellschaft das Atomprogramm unterstützt -, egal was dort im Iran passiert. Bis dahin müssen wir weiter den politischen, den wirtschaftlichen und den finanziellen Druck auf den Iran verstärken. Das ist ein Gebot der Stunde.”

Am Ende des Gesprächs erzählt Mor von seinen Erfahrungen in und mit Deutschland als israelischer Gesandter:

„Es war das zweite Mal, dass ich in Deutschland war. Das erste Mal war in Bonn, das zweite Mal ist in Berlin seit 2004. Ich gehe nach Israel zurück mit einer gewissen Zufriedenheit, indem ich eine andere Gesellschaft neu entdeckt habe. Nach 20 Jahren Wiedervereinigung ist Deutschland selbstbewusster geworden. Deutschland ist selbstsicherer geworden, auch in der Weltpolitik, in der internationalen Politik. Deutschland ist mehr mit Europa verbunden. Ich glaube, diese zwei Elemente, ganz zu schweigen, dass die Gesellschaft sich verändert hat, auch was Israel anbelangt, es gibt mehr Kritik, es gibt weniger Verständnis für Israel, aber im Grunde genommen bleiben die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel stabil, umfangreich und einzigartig. Die Tatsache, dass diese Einzigartigkeit unantastbar geblieben ist, ist für mich auch ein Grund, zufrieden zu sein.“

Auf die Frage, wann er wiederkomme, entgegnet der Diplomat:

„Das hat mit der Personalabteilung des Ministeriums in Jerusalem zu tun. Erst mal kehre ich nach Israel zurück, werde ich dort zwei Jahre als Minimum leben, in der Zentrale arbeiten. Ich werde weiter Deutschland verfolgen. Wir erwarten uns alle auch in Israel in Bezug auf Deutschland spannende Zeiten. Die Wahlen in Deutschland am 27. September sind auch für uns interessant. Aber ich gehe davon aus, eines Tages werde ich zum dritten Mal nach Deutschland zurückkehren dürfen. Es ist für mich als israelischer Diplomat sehr wichtig. In diesem Sinne sage ich nicht tschüß, sondern auf Wiedersehen, auf Hebräisch lehitraot.”

Das vollständige Interview gibt es unter dem folgenden Link: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/993228/

(Deutschlandfunk, 03.07.09)