Mittwoch, 15.07.2009




Mor im Gespräch mit deutschen und israelischen Schülern
Über das komplexe Thema der deutsch-israelisch-jüdischen Beziehungen diskutierte am Montag der scheidende Gesandte und stellvertretende Botschafter des Staates Israel, Ilan Mor, mit 45 Schülern aus Deutschland und Israel. Die Veranstaltung „Alles normal!? – Deutsch-israelisch-jüdische Beziehungen“ fand als Kooperation der Botschaft des Staates Israel und des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) in der BfDT-Geschäftsstelle in Berlin statt.

Neben Mor beteiligten sich auch Dr. Gregor Rosenthal, Geschäftsführer des BfDT, und Isaak Behar, Gemeindeältester der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, an der regen Diskussion mit Schülern der Liebfrauenschule Berlin-Charlottenburg, der Boyer High School Jerusalem und des Berliner Canisius-Kollegs.


Mor und Behar

Für die Schüler von Liebfrauenschule und Boyer High School war die Veranstaltung Teil eines Schüleraustausches, während sich die Schüler des Canisius-Kollegs derzeit in Vorbereitung auf eine Reise nach Israel im Herbst dieses Jahres befinden. Die Schüler nutzten sehr engagiert die seltene Gelegenheit, mit den prominenten Referenten ins Gespräch zu kommen.

Mor betonte in seinem konzisen Eingangsvortrag, dass zwischen Deutschland und Israel aufgrund der Shoah niemals normale Beziehungen herrschen könnten. Vielmehr müssten die Beziehungen zwischen beiden Ländern für immer einzigartige bleiben. Der Gesandte zog eine positive Bilanz der Entwicklung der bilateralen Beziehungen in den vergangenen Jahren. Auf politischer Ebene sei in den Beziehungen Normalität erreicht, durch zahlreiche Kooperationen und die Regierungskonsultationen seien die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sogar enger als zu jedem anderen Land der Erde.

Viel Arbeit sei jedoch noch auf der zivilgesellschaftlichen Ebene zu leisten. Das Ansehen Israels in Deutschland stehe  – unter anderem durch eine einseitige, eindimensionale Berichterstattung – nicht im Einklang mit der Realität in Israel und den Leistungen des Landes. Es sei deshalb eine der wichtigsten Aufgaben israelischer Diplomatie in Deutschland, den Menschen im Land Israel anders zu zeigen.

Eine wichtige Zielgruppe seien dabei vor allem junge Menschen. Mor hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Schüler- und Jugendaustauschprojekten hervor: Diese seien wie ein Keim, der bei richtiger Pflege viel Früchte tragen könne. Durch den Abbau von Vorurteilen und das Kennenlernen der Realität in Israel könnten so die Grundlagen für den Fortbestand der hervorragenden, einzigartigen deutsch-israelischen Beziehungen gelegt werden.



In der Diskussion sprachen die Schüler aus Israel und Deutschland verschiedene Themen an, darunter den Kampf gegen Antisemitismus und die Rolle der Erinnerung an die Shoah für die deutsch-israelischen Beziehungen.
 
Rosenthal betonte, das Eintreten für Demokratie und Toleranz und gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sei nicht in erster Linie eine Aufgabe für die Politik, sondern vor allem für die Zivilgesellschaft. Behar schilderte in bewegenden Worten seine Lebensgeschichte als Überlebender der Shoah und sagte, er träume davon, dass es eines Tages normale Beziehungen zwischen Deutschen und Juden geben werde.