Donnerstag, 20.08.2009




Kooperationsprojekte weisen Weg zu friedlicher Koexistenz
Der israelische Vize-Außenminister Daniel Ayalon hat gestern ein gemeinsames Seminar für israelische und palästinensische Unternehmerinnen eröffnet und sich dabei optimistisch über die Möglichkeiten einer friedlichen Zusammenarbeit beider Seiten geäußert. Das Seminar wurde vom nationalen israelischen Entwicklungshilfezentrum MASHAV und der Palästinensischen Handelskammer organisiert, um Frauen Wissen zum Thema Unternehmensführung zu vermitteln.

Ayalon begrüßte die Teilnehmerinnen und betonte, dass Frauen die Macht und die Fähigkeit haben, ihre Gesellschaften zu verändern. Er fügte hinzu, dass Israel und die Palästinenser nicht nur Partner für den Frieden sein, sondern auch gemeinsam an der wirtschaftlichen Entwicklung der Region arbeiten können. Er forderte die arabische Welt auf, in die wirtschaftliche Entwicklung der Palästinenser zu investieren.

Das Seminar ist Teil der langjährigen Bemühungen von MASHAV, unter dem Titel „Frauen schaffen eine neue Realität“ israelische und palästinensische Teilnehmerinnen zusammenzubringen und auszubilden. Seit 2004 haben bereits 17 solcher Seminare stattgefunden. An ihnen haben mehr als 500 Palästinenserinnen teilgenommen.


Neben dem MASHAV-Seminar machen derzeit eine Reihe weiterer israelisch-arabischer Kooperationsprojekte Hoffnung auf eine friedliche Kooperation und Koexistenz in der Region. Dabei gibt es neben gemeinsamen Bildungsprojekten auch wirtschaftliche Kooperationen mit gemeinsamem Nutzen für alle Beteiligten.

In Jerusalem nehmen derzeit 120 Schüler weiterführender Schulen aus Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten an dem Programm „MEET“ (Middle East Education through Technology, deutsch: Bildung durch Technologie im Nahen Osten) teil. Die Teenager lernen in Intensivkursen gemeinsam über Informationstechnologien und Wirtschaft. Auch hier steht die Idee im Mittelpunkt, einander über gemeinsame Interessen kennen zu lernen und zusammenzuarbeiten. Das anspruchsvolle und begehrte Programm wird vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Hebräischen Universität Jerusalem unterstützt. Die teilnehmenden Schüler verbringen die Hälfte von drei aufeinander folgenden Sommerferien mit den MEET-Kursen.


Ebenfalls in den Sommerferien findet derzeit eine neuartige Form der Sommerschule statt: In dem Beduinendorf Darijat im Süden Israels können jüdische Israelis von Beduinen-Lehrern Arabisch und den Alltag der Beduinen kennen lernen. Morgens erhalten die Teilnehmer Sprachunterricht, am Nachmittag kehren sie dann zu ihren Gastgebern heim, wo sie gemeinsam essen und Zeit mit den Familien verbringen. Zum Programm gehören auch Ausflüge und Diskussionsveranstaltungen.

„Das Kennen lernen erlaubt es den beiden Kulturen zusammenzufinden,“ erklärt Ishak Abu Khamed, Ortsvorsteher und Schulleiter von Darijat, die Idee hinter dem Projekt. Die gastgebenden Beduinenfamilien seien sehr erfreut über die Begegnungen mit ihren Gästen und spürten deren große Bereitschaft, einen Dialog zu führen und einander näher zu kommen. Die Sommerschule sei darüber hinaus eine willkommene weitere Einkommensquelle für die Dorfbewohner. Auch die Frauen der Familien könnten durch das Beherbergen der Gäste etwas verdienen. Das stärke ihr Selbstbewusstsein und ihre Unabhängigkeit, so Abu Khamed.


Von großem gemeinsamen Nutzen für Menschen und Umwelt in der Region soll schließlich ein israelisch-jordanisch-palästinensisches Projekt sein, das ebenfalls im Süden Israels angesiedelt werden soll: In der Arava soll eine Anlage entstehen, die organische Abfälle in Biokraftstoff verwandeln kann, ohne dabei Schadstoffe zu erzeugen.

Die Fabrik soll als Projekt einer gemeinsamen israelisch-jordanischen Firma entstehen. Palästinensische Bauern werden dann ihre landwirtschaftlichen Abfälle zur Weiterverarbeitung an die Firma verkaufen können. Bisher wurden solche Abfälle für gewöhnlich verbrannt, wobei weitere Schadstoffe entstanden.

Die Initiative wurde vom Peres Center for Peace, das nach dem israelischen Präsidenten Shimon Peres benannt ist, bei einer israelisch-jordanischen Konferenz in Deutschland angestoßen. An dem Projekt ist auch eine deutsche Firma beteiligt, die bei der technologischen Verwirklichung hilft.

Das innovative Projekt, bei dem Müll entsorgt, Energie produziert und die friedliche Koexistenz gefördert wird, könnte durchaus Vorbildcharakter haben.

(Israelisches Außenministerium, 19.08.09; Yediot Ahronot, 10. und 18.08.09; Israel21C, 19.09.09)