Mittwoch, 05.09.2007




Gaza: Hamas baut reguläre Armee auf

Die Mörsergranaten und Kassam-Raketen, die auf den westlichen Negev geschossen werden, sind nur sekundäre Rauchschwaden aus einem Vulkan, der, ohne dabei gestört zu werden, seinem Ausbruch entgegen treibt. Innerhalb der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (ZAHAL) gibt man sich keinen Illusionen hinsichtlich der anwachsenden militärischen Macht hin, die im Gaza-Streifen gegen Israel aufgebaut wird. Wie hochrangige Militärs mitteilen, liegt dort schon heute eine Infanterie-Panzerabwehr-Division in Stellung. Die Palästinenser Gazas imitieren die Hisbollah. Auch die Hamas hat eine ‚Gaza-Division’.

Dem Divisionskommandanten der Hamas sind drei Kommandanten unterstellt, die über Brigaden in drei Einsatzgebieten befehlen. In jeder Einheit gibt es wiederum Befehlshaber von lokalen Regimentern, die über den gesamten Gaza-Streifen verteilt sind, und unter ihnen Kompanien, Abteilungen und örtliche Kräfte, die auf Panzerabwehr, Sabotage, Patrouille, Fotografie und Spähen spezialisiert sind.

Den ZAHAL-Einheiten, die im „Sicherheitsbereich“ – einem ein Kilometer breiten Streifen innerhalb des Territoriums von Gaza – operieren, stehen Kompaniekommandanten der Hamas gegenüber, die den Kampf gegen die mobilen Einsatzkräfte der israelischen Armee lenken. Ein solcher Kommandant hat Anfang der vergangenen Woche einen 15-jährigen Selbstmordattentäter mit zwei Sprengstoffgürteln losgeschickt, nachdem er einen Hinterhalt der Armee in einem einer Raketenabschussrampe gegenüberliegenden Gebäude entdeckt hatte. Der Knabe sollte sich dort in die Luft sprengen, wurde aber gefangen genommen.

Die Hamas-Division besteht aus zwei Teilen: dem militärischen Arm mit 7000 Mann und der Einsatztruppe mit 5000 Mann. Letztere hat die militärische Machtübernahme der Hamas über den Gaza-Streifen vollzogen und ist heute vorwiegend mit polizeilicher Überwachung und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung befasst. Dabei hat die Hamas kein Personalproblem – 60 Prozent der Bevölkerung des Gaza-Streifens sind unter 20 (rund 600 000 junge Burschen). Das Reservoir an Nachwuchs ist beinahe unerschöpflich, und auch an Waffen mangelt es nicht.

Tatsächlich findet an der Grenze zu Israel schon heute eine Art „Kleinkrieg“ statt, hinter dem sich ein regelrechter ‚Krieg der Gehirne’ verbirgt. Sobald die israelische Armee agiert, lernt die Gegenseite, zieht ihre Lehren, setzt diese um und reagiert. Während die Hamas in defensiver Hinsicht in städtischen Gebieten (teils unterirdische) Schutzstellungen ausbaut, um die Schlagkraft der israelischen Luftwaffe zu beeinträchtigen, und gleichzeitig verschiedene Maßnahmen zur Abwehr gepanzerter Fahrzeuge ergreift, verbessert sie in aggressiver Hinsicht die Kommandostrukturen von professionellen Banden, die jenseits des Sicherheitszauns Anschläge in Israel durchführen sollen.

Momentan sind der Politik der Hamas noch Zügel angelegt, um Zeit zu gewinnen. Währenddessen lässt sie die diversen anderen Terrororganisationen im Gaza-Streifen agieren.

(Yedioth Ahronot, 04.09.07)