Dienstag, 13.10.2009




Historiker beschließen Analyse deutscher und israelischer Schulbücher
Israel und Deutschland haben eine gemeinsame Schulbuchkommission berufen. Diese wird analysieren, wie das jeweils andere Land in den Schulbüchern dargestellt wird.

„Es ist wichtig, dass israelische Schüler das moderne Deutschland vor und nach der Wiedervereinigung kennen lernen. Und es ist für uns eine Möglichkeit, die Vielfalt Israels zu präsentieren“, sagt Ilan Mor, ehemaliger Gesandter der israelischen Botschaft in Berlin. Mor ist einer der Initiatoren dieses Gremiums, welches auf der deutschen Seite zum Jahresende 2009 seine Arbeit aufnehmen soll.

Die israelischen Schulbücher werden in Deutschland vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung untersucht. Das Institut hat bereits Erfahrung mit der Analyse polnischer, französischer und tschechischer Schulbücher. Dr. Simone Lassig, Direktorin des Instituts, sagt gegenüber Haaretz über deutsche Schulbücher: „Der Holocaust nimmt einen großen Teil des Lehrmaterials ein und das moderne Israel wird nur auf einigen Seiten behandelt.“ Laut Lassing wird die Kommission die Bücher dahingehend analysieren, wie die gesellschaftliche Realität Deutschlands und Israels, Fragen von Immigration, Multikulturalität und die Herausforderungen der Globalisierung behandelt werden.

Dr. Arie Kizel von der Universität Haifa äußert sich von israelischer Seite: „Deutschland war in israelischen Schulbüchern über viele Jahre hinweg ein Symbol des Bösen“. Geschichtsbücher würden dazu tendieren, die Perioden Bismarks, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus zu betonen. In seinen Augen wäre es aber wichtig, auch die Zeit des Kalten Krieges, die Debatte innerhalb Deutschlands zum Holocaust sowie den Prozess der deutschen Wiedervereinigung in den 1990er Jahren zu unterrichten.

(Haaretz, 12.10.2009)


Nachtrag zum NL vom 12.10.09:
Im gestrigen Newsletter nannten wir nur acht der insgesamt neun israelischen Nobelpreisträger. Hier die vollständige Liste:

Shmuel Yosef Agnon erhielt den Literaturnobelpreis im Jahr 1966, Menachem Begin erhielt 1978 den Friedensnobelpreis (gemeinsam mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat), Yitzhak Rabin und Shimon Peres erhielten 1994 den Friedensnobelpreis (gemeinsam mit Yassir Arafat), Daniel Kahneman erhielt 2002 den Wirtschaftsnobelpreis, Aaron Ciechanover und Avram Hershko erhielten 2004 den Chemienobelpreis (gemeinsam mit Irwin Rose), Robert J. Aumann erhielt 2005 den Wirtschaftsnobelpreis (gemeinsam mit Thomas C. Schelling) und Ada Yonath erhielt 2009 den Nobelpreis für Chemie.