Angesichts der jüngsten Verschärfung des internationalen Konflikts um das iranische Atomprogramm gewinnt die Frage nach der Stellung der Atombombe innerhalb der politischen Theologie der Islamischen Republik an Relevanz. Ein prominentes Beispiel für eine theologische Bejahung des Baus von Atomwaffen bietet der spirituelle Lehrmeister des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad.
Der ultra-konservative Ayatollah Mohammad Taqi Yazdi gilt als einer der führenden Theologen im Iran und hat sich wiederholt für Ahmadinejad und dessen radikalen Kurs eingesetzt. Zur Zeit der iranischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2005 veröffentlichte der Mullah ein Buch über die islamische Revolution, in welchem er sich in recht deutlichen Worten für eine atomare Bewaffnung der Islamischen Republik ausspricht:
„Wir können nicht sicher wissen, wann die wölfischen Elemente, die in vielen Ländern an der Macht sind, verschwinden und vom Erdboden ausgelöscht sein werden oder wann sie ihren mörderischen Stil ändern werden. Daher sollten wir der Verteidigungspolitik nicht indifferent gegenüberstehen und müssen unsere inneren Kräfte stärken… Die Erfahrung zeigt, dass solch eine [indifferente] Einstellung falsch ist und wir immer nach der Stärkung der militärischen und Abwehrsysteme streben müssen. Wir müssen die höchstentwickelte Waffe innerhalb des Landes produzieren, selbst wenn unsere Feinde es nicht mögen. Es besteht kein Grund, dass sie das Recht dazu haben, eine besondere Art von Waffe herzustellen, und andere Länder dieses Recht nicht haben.“
„Göttlicher, messianischer Beistand ist der entscheidende Faktor beim Erfolg des iranischen Regimes während verschiedener Zeiten der Prüfung gewesen, die es seit seiner Gründung geplagt haben… Wir dürfen uns von temporären Schwierigkeiten nicht brechen lassen; sie werden vorübergehen, und die Muslime müssen geduldig sein und dürfen sich nicht von materiellen oder wirtschaftlichen Engpässen abschrecken lassen, denn wenn sie das tun, könnten sie dadurch vom [Islam] getrennt werden.“
Wenn Yazdi von „Spezialwaffen“ spricht, bezieht er sich damit ganz offensichtlich auf Atomwaffen; denn diese Terminologie wird im inneriranischen Diskurs häufig zu ihrer Bezeichnung verwendet, was Iran-Experten und Farsi-Kenner bestätigen.
Die pro-atomaren Äußerungen des Ayatollahs sind nicht zuletzt deswegen von Bedeutung, da im Iran von offizieller Seite behauptet wird, der Islam verbiete die Entwicklung von Atomwaffen.
(Intelligence and Terrorism Information Center, 02.03.10) |