Dienstag, 25.09.2007




Ahmadinejad genießt die Show

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad liebt Fußball und war selbst Spieler bei seiner Universitätsmannschaft. Vor Fernsehkameras hat er als Staatspräsident gezeigt, dass er keinen schlechten linken Fuß hat. Gestern hat er bewiesen, dass er auch schmettern kann. Vor allem, wenn man ihm den Ball vorlegt.

Die leichten Fragen der Moderatoren an der Columbia-Universität ermöglichten ihm, seine altbekannten Mantren zu wiederholen und gleichzeitig offen für einen Dialog und bereit zum Überzeugen und auch Überzeugtwerden zu erscheinen. Jedoch besteht keinerlei Aussicht, einen Ideologen zu überzeugen, dessen Weltanschauung so klar ist wie die von Ahmadinejad, der der radikalsten und messianischsten Strömung innerhalb der religiösen Führung seines Landes angehört. Sein Extremismus zeigt sich darin, dass sein spiritueller Mentor Ayatolah Mohammed Taghi Mesbah Yazdi ist, ein Mann, den selbst Ayatollah Ruhollah Musavi Khomeini, der Führer und Initiator der iranischen Revolution von 1979, wegen seines aktivistischen Messianismus unter Hausarrest gestellt sehen wollte.

Ahmadinejad sagte, dass er als Akademiker – er führt einen Doktortitel in Transportingenieurwesen – an den wissenschaftlichen Imperativ glaube, nachdem alles angezweifelt und auf seine Verlässlichkeit überprüft werden sollte. Er sagte dies als Antwort auf die Frage, warum er den Holocaust leugne. Auch auf die Frage, ob er Israels Existenzrecht anerkenne, wich er einer direkten Antwort aus und wiederholte seine Assoziation des Holocaust mit der Gründung des Staates Israel und dem Unrecht, das den Palästinensern zugefügt worden sei.

Die Fragen und seine Einladung nach Columbia zeugen von etwas, das sich zwischen Naivität und Liberalität bewegt und typisch ist für die amerikanischen Akademiker. Diese tun sich schwer damit, zu verstehen, dass ein Dialog zwischen religiösen Fanatikern und Menschen, die wirklich an Informationsfreiheit und Menschenrechte glauben, beinahe unmöglich ist. Was dies angeht, hat Ahmadinejad die Naivität, die ihm auf dem Podium dargeboten wurde, ohne dass er es verlangt hätte, voll und ganz ausgenutzt. Seine Einladung ist aus eigener Initiative der Universität erfolgt und zeigt, was passiert, wenn man etwas Aussichtslosem eine weitere Gelegenheit gibt.

Bei all dem herrschte bei seinem Auftritt kein Mangel an komischen Momenten, die bewiesen, dass er kein schlechter Bühnendarsteller ist, und andererseits die große kulturelle Kluft zwischen ihm und dem Westen offenbarten. Diese Kluft hat ihre Ursache nicht zuletzt darin, dass er bis zu seiner Wahl zum Präsidenten des Irans vor zwei Jahren noch kein einziges Mal ein westliches Land besucht hatte. So brach das Publikum in schallendes Gelächter aus, als er sagte, dass es im Iran keine Homosexuellen gebe „wie bei euch“, und darauf beharrte, dass Menschrechte, Redefreiheit und vor allem die Rechte der Frauen unbeschränkt seien.

(Ha’aretz, 25.09.07)