Dienstag, 06.07.2010




Zum Fortschreiten des iranischen Atomprogramms
Das Institut für nationale Sicherheitsstudien (INSS) an der Universität Tel Aviv hat eine neue Analyse veröffentlicht, die die Frage nach dem Umgang mit dem iranischen Atomprogramm vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten von dessen politischen und technologischen Aspekten aufwirft.

„Die Zukunft von Irans Atomprogramm folgt verschiedenen ‚Uhren’, vor allen anderen der politischen Uhr und der technologischen Uhr. Es ist klar, dass die erste Uhr der zweiten hinterher humpelt, die ihr Ziel beinahe erreicht hat. Der verdeckte Kampf, der parallel zu der andauernden politischen Kampagne seit einiger Zeit betrieben wird und darauf abzielt, jeglichen technologischen Fortschritt zu unterbrechen bzw. zu verzögern, scheint jedoch mehr Wirkung zu zeigen als früher und ist mittlerweile womöglich das vielversprechendste Instrument dafür, den Fortschritt des Iran in Richtung einer Nuklearkompetenz zu verhindern.“

„Es ist möglich, dass die ‚technologische Uhr’ ihrem Abschluss so nahe gekommen ist, dass es fast unmöglich wäre, den Iran vom Erreichen seines Zieles abzuhalten. Dennoch ist es weiterhin von Wert, Hindernisse für den Fortschritt des Irans zu schaffen, selbst wenn er die Schwelle überwinden sollte. Abgesehen von der Fähigkeit, jeglichen Fortschritt zu verzögern oder abzubrechen wird diese Vorgehensweise dem iranischen Regime einen beträchtlichen Preis abverlangen – ohne dem iranischen Volk zu schaden – und könnte den Iran - in den Augen jener, die noch immer an die Idee des Dialogs glauben – davon überzeugen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und seine Haltung zu mäßigen.

Es scheint so, dass der Westen nun entscheiden muss, welchen Preis er dafür, dass der Iran die nukleare Schwelle nicht überwinden wird, bereit ist zu entrichten.. Effektive verdeckte Aktionen können den Weg verlängern, den der Iran bis zu dieser Schwelle zurücklegen muss, und den Entscheidungsträgern mehr Zeit zum Erwägen anderen Vorgehensweisen geben. Diese Methode erfordert allerdings allergrößte Vorsicht und ist keine Zauberlösung – eine solche gibt es nicht. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt in der Kombination von politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen. Sie hat dem Regime bereits jetzt einen hohen Tribut abverlangt, aber dieses Regime wird erwartungsgemäß an seinem Kurs festhalten, wenn es annimmt, dass der Weg zur Vollendung des Atomprogramms nicht lang und der Preis, den es dafür zahlen muss, nicht allzu hoch sein wird.“

Die vollständige Analyse gibt es unter dem folgenden Link: http://www.inss.org.il/publications.php?cat=21&incat=&read=4181

(INSS, 23.06.10)