Mittwoch, 21.07.2010




Israelin trainiert türkische Segelnationalmannschaft
Angesichts Krise in den türkisch-israelischen Beziehungen setzt der Wassersport positive Zeichen. So mag es viele überraschen, dass die türkische Nationalmannschaft in der 420er Bootsklasse von einer Israelin trainiert wird. Die 28jährige Linor Kliger wird das türkische Team auch bei den morgen beginnenden Weltmeisterschaften in der 420er Jolle in Haifa anspornen.

„Man muss zwischen Politik und Sport unterscheiden“, sagte die jüngere Schwester des israelischen Olympiaseglers Gidi Kliger am Samstag. „Was mich jetzt interessiert, ist, die türkischen Segler zu einem Medaillensieg zu führen. Leider können sie noch nicht den Titel holen, aber sie machen von Wettbewerb zu Wettbewerb Fortschritte.“

„Letztes Jahr, als ich mit den Surfern bei der europäischen Jugendmeisterschaft in der Türkei war, fragte mich der Vorsitzende des türkischen Segelverbandes, ob ich interessiert sei, ihnen bei ihrem Segelteam auszuhelfen. Ich dachte darüber nach und sagte ja. Seitdem trainiere ich sie“, erzählt Kliger. „Ich habe meinen Wohnsitz in Israel nicht aufgegeben. Vier bis fünfmal im Jahr reise ich in die Türkei, um sie im Trainingslager und bei Wettbewerben zu begleiten und ihnen Punkte zu zeigen, an denen sie arbeiten können. Den Rest des Jahres trainiert sie ein türkischer Coach. Gleichzeitig trainiere ich weiter die israelischen Windsurferinnen.“

Auf die Frage, wie sie nach dem Vorfall um die Gaza-Flottille in der Türkei behandelt worden sei, antwortet Kliger:

„Ich habe sie im Vorfeld der Weltmeisterschaften während des Trainings am 19. Juni besucht. Das war mein erstes Treffen mit ihnen seit der Flottille. Sie haben mich wundervoll behandelt, und es gab keinerlei Feindseligkeiten. Im Gegenteil, ich glaube, sie haben sich besonders Mühe geben, mir warme Gastfreundschaft zu zeigen, weil sie mir zeigen wollten, dass alles okay ist.“

„Generell behandeln mich die Manager des türkischen Segelverbandes so, als wäre ich ihre Tochter. Die türkischen Athleten sind so höflich; solch einen Respekt würde ich in Israel nie bekommen. Sie sprechen nie mit mir über Politik; und immer, wenn ich in die Türkei komme, laden sie mich ein, bei ihren Familien zu wohnen.“

„Trotz der Verschlechterung in den Beziehungen zwischen den Ländern, habe ich nie auch nur eine Minute erwogen, ihre Nationalmannschaft zu verlassen. Ich bin überzeugt, dass die politische Situation diese Kooperation nicht überschatten wird. Ich bin eine Profisportlerin, und das ist, was mir im Leben wichtig ist“, so Kliger.

(Yedioth Ahronot, 21.07.10)