Dienstag, 22.02.2011




Kommentar: Israels strategische Position nach dem Aufstand in Ägypten
Der frühere Mossad-Chef Efraim Halevy, inzwischen Leiter des Center for Strategic and Policy Studies an der Hebräischen Universität Jerusalem, erläutert in der US-amerikanischen Zeitschrift The New Republic, warum Israel nach dem Volksaufstand in Ägypten in strategischer Hinsicht keineswegs geschwächt ist.

„Die zwei größten Armeen in der Region – die Israels und die Ägyptens – werden beide von den Vereinigten Staaten ausgerüstet. Dies bedeutet, dass Washington in einer Schlüsselposition ist, um eine blutige Auseinandersetzung zu verhindern. Das klare Verlangen, Krieg zu vermeiden, ist somit ein Anliegen aller drei Parteien. Das kann und sollte ein primärer Baustein für die Schaffung einer fruchtbaren Beziehung mit jeder neuen ägyptischen Führung werden.

Israel befindet sich, kurz gesagt, nicht in der prekären Lage, die so viele Experten beschrieben haben. Praktisch bedeutet das, dass Israel an die um es herum sich entfaltenden Vorgängen mit einem großen Maß an berechtigtem Selbstvertrauen herangehen kann, da es weiß, dass es weiter aus einer Position der Stärke heraus agiert. Manche sagen, der israelisch-palästinensische Prozess müsste wegen der Ereignisse in Ägypten auf Eis gelegt werden. Das Gegenteil trifft zu. Während die endgültige Lösung gegenwärtig außer Reichweite liegt – in der Tat wäre nun der richtige Zeitpunkt, zuzugeben, dass er aufgrund der unüberwindlichen Blockaden auf beiden Seiten niemals in Reichweite lag -, ist es durchaus vorstellbar, dass im Jahr 2011 ein palästinensischer Staat entstehen kann, selbst bevor jeder einzelne Punkt geklärt ist.

In ähnlicher Weise kann Israel auch gegenüber der Herausforderung aus dem Iran aus einer Position der Stärke heraus handeln. Das iranische Volk und selbst sein unterdrückerisches Regime können eine Isolation nach der Art Nordkoreas, die sicherlich über sie verhängt würden, sollte sie jemals die Schwelle der Nuklearisierung überschreiten, nicht überleben. Während Israel und andere weiterhin einen geheimen Krieg mit dem Iran führen – einen Krieg, den beide Seiten lieber geheim halten -, wird Teheran schrittweise realisieren, dass der Preis für seine Unnachgiebigkeit höher sein wird, als es es sich leisten kann. Unterdessen ist Israel, während das Regime immer mehr darauf hinarbeitet, seine Bevölkerung von Quellen zuverlässiger Information abzuschneiden, in einer guten Position, um Millionen von Iranern quelloffene, glaubwürdige Informationen zukommen zu lassen. Dies ist ein langer Prozess, der Geduld, Hingabe und Ausdauer verlangt – und er hat eine wirkliche Chance, sich auszuzahlen. Israel tut bereits viel in diesem Bereich. Es kann und sollte noch mehr tun.

Letztendlich ist dies für Israel trotz der Warnungen der Experten keine Zeit, um aus Angst heraus zu handeln. Wenn es seine relativ starke Position versteht, kann Israel erheblich dabei vorankommen, gleichzeitig seine eigenen Interesen im Nahen Osten zu wahren und als ein verantwortungsbewusster und kraftvoller Anker der Vernunft in einer unstabilen Nachbarschaft zu dienen.“

Den vollständigen Artikel gibt es unter dem folgenden Link: http://www.tnr.com/article/world/83838/ephraim-halevi-the-middle-east

(The New Republic, 21.02.11)