Freitag, 25.02.2011




Die Diffamierungskampagne gegen Israel – Fragen und Antworten (XII)
12. Ist Israel eine kolonialistische Erfindung?

Antiisraelische Elemente bringen typischerweise zwei komplimentäre Erzählweisen zum Einsatz, um Israel als kolonialistisches Gebilde zu brandmarken. Die erste behauptet, die Gründung Israels sei ein kolonialistischer Akt gewesen; die zweite, dass Israel selbst ein Fremdkörper im Nahen Osten sei, weswegen seine andauernde Existenz eine Form von Kolonialismus darstelle.

An der Wuzel beider Narrative liegt die Leugnung der historischen Verbindung des jüdischen Volkes zum Land Israel, der jüdischen Rechte und der jüdischen Ansprüche auf das Gebiet. Die Palästinenser und ihre Unterstützer ignorieren die archäologischen Beweise jüdischen Lebens im Altertum, die jüdische Präsenz im Land Israel über alle Zeiten hinweg, jüdische Gesetze in Bezug auf das Heilige Land und jüdische Traditionen, einschließlich der biblischen Berichte über die antiken Juden im Heiligen Land. Yasser Arafat ging so weit, die Bibel und das Neue Testament zu verwerfen, indem er leugnete, dass der Tempel in Jerusalem jemals existiert hat. Noch immer behaupten palästinensische Propagandisten, die Juden seien keine Nation, sondern teilten lediglich einen religiösen Glauben, weswegen sie nicht der nationalistischen Bestrebungen und der Selbstbestimmung würdig seien, die anderen Völkern zuerkannt werden.

Diejenigen, die die Behauptung unterstützen, die Gründung Israels sei ein kolonialistischer Akt gewesen, beziehen sich zum Beweis oft auf die Balfour-Deklaration. Völlig ignoriert wird dabei, dass das britische Mandat, eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ zu errichten, vom Völkerbund geschaffen wurde, dem Vorgänger der Vereinten Nationen. Das Mandat von 1922 versuchte nicht, ein neues Heimatland für die Juden zu schaffen, sondern stellte vielmehr fest: „Die historische Verbindung des jüdischen Volkes zu Palästina und die Grundlagen für die Wiederherstellung seiner nationalen Heimstätte in diesem Land werden damit anerkannt.“ Der Wille der internationalen Gemeinschaft ging dahin, ein existierendes Recht anzuerkennen und einen existierenden Missstand zu korrigieren.

Die Gründung Israels im Jahr 1948 hatte nichts mit Kolonialismus zu tun. Tatsächlich trifft das genaue Gegenteil zu: Israels Unabhängigkeit trug dazu bei, die britische Präsenz im Nahen Osten zu beenden. Die jüdischen Bewohner Israels kämpften darum, ihre Unabhängigkeit von ihren kolonialen Herrschern zu erringen.

Auf der anderen Seite genossen die arabischen Staaten die Unterstützung der Kolonialmächte während des Unabhängigkeitskriegs, indem sie Waffen und Ausbildung erhielten. Die Arabische Legion, die eine entscheidende Rolle in dem Krieg spielte, wurde von einem britischen Offizier befehligt und hatte sowohl britische als auch arabische Offiziere in ihren Reihen. Die arabischen Staaten wurden von Großbritannien und Frankreich, den Kolonialmächten in der Region, mit Waffen ausgestattet, während der Großteil von Israels Waffen von Außenstehenden kam, vor allem über die Tschechoslowakei.

Die Tatsache, dass die meisten arabischen Staaten nach der Herrschaft europäischer Staaten gegründet und nur dank europäischer Intervention zu unabhängigen Staaten wurden, wird oft geflissentlich ignoriert. Diejenigen, die versuchen, die Juden als fremde Eindringlinge und die Palästinenser als die indigene Bevölkerung darzustellen, ignorieren auch den großen Zustrom von Arabern in das Mandatsgebiet, die von den verbesserten Bedingungen im Heiligen Land und dem Wachstum der von den Juden aufgebauten Wirtschaft angelockt wurden.

Es traurig und ironisch, dass das jüdische Volk, das auf eine mehrere Tausend Jahre alte Geschichte in diesem Land zurückblicken kann, von manchen als Kolonialisten betrachtet wird und der Zionismus, die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes, als eine kolonialistische Bewegung. Jedoch kann man eine Nation, die mit der besonderen Zustimmung der Vereinten Nationen gegründet wurde, nicht als kolonialistisches Gebilde ansehen und ein Volk, das in sein historisches Heimatland zurückkehrt, nicht als Kolonialvolk.

(Außenministerium des Staates Israel, November 2010)