Dienstag, 05.04.2011




Israelischer Schauspieler in Jenin erschossen
Der israelisch-arabische Schauspieler Juliano Mer-Khamis wurde gestern in Jenin neben dem von ihm gegründeten Theater von einer Gruppe maskierter Männer in seinem Auto erschossen. Seine Leiche wurde zum forensischen Institut Abu-Kabir gebracht, teilte die Ziviladministration mit.


Foto: AFP

Der 52-jährige Schauspieler und pro-palästinensische Aktivist, Sohn einer jüdischen Mutter und eines arabischen Vaters, hatte zuvor Morddrohungen erhalten, nachdem er das Friedens-Theater im Flüchtlingslager in Jenin gegründet hatte.
Bereits 2009 haben Einwohner des Flüchtlingscamps Flyer verteilt, in denen sie den Schauspieler als „fünfte Kolonne“ bezeichneten und auf denen die Drohung „Wenn Worte nicht helfen, müssen wir mit Kugeln sprechen“ zu lesen war.
Der frühere Anführer der Al-Aksa-Märtyrer Brigaden, Zakarya Zubeidi, der inzwischen das Theater mit führte, teilte Haaretz mit, dass es sich bei dem Mord um einen geplanten und lange vorbereiteten Anschlag handeln würde. „Es gibt eine Organisation, zentral und groß, hinter dieser Tat. Es war keine einfache Tat sondern wurde von langer Hand geplant.“

Das Theater, das sich seit seiner Gründung vor fünf Jahren zu einem wichtigen Kulturzentrum entwickelt hat, überstand einige Brandanschläge. Mer-Khamis fürchtete seither um sein Leben. Bereits 2009 in einem Interview mit Ynet sagte er: „Welche Wahl habe ich? Wegrennen? Ich bin keiner, der davon läuft. Ich bin ein Elitekämpfer der Fallschirmjäger. Die beiden Dinge, die ich von der israelischen Kultur gewonnen habe, sind Shlonskys Übersetzungen von Shakespeare und entsprechendes Kampftraining. Nun brauche ich es.“

Über die Verfasser der Flyer sagte er: „Es macht sie verrückt, dass ein Mann, der halb jüdisch ist, an der Spitze eines der wichtigsten Projekte im Westjordanland steht – das ist purer scheinheiliger Rassismus. Ich war noch nie so jüdisch wie ich es hier in Jenin bin. Nach all dieser Arbeit in dem Camp wäre es ausgesprochen bedauerlich, wenn ich durch eine palästinensische Kugel sterben würde.“

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad versprach einige Stunden nach der Tat, diejenigen zu finden, die Mer-Khamis ermordet haben. „Wir dürfen dieses schreckliche Verbrechen nicht ignorieren“, so Fayyad. „Es handelt sich um eine grobe Verletzung der menschlichen Werte und der Moral unseres Volkes“.

Der Gouverneur von Jenin, Kadura Musa, sagte zu der Tat, dass er den Mord auf schärfste verurteile und dass die palästinensischen Sicherheitskräfte nun eine Sondereinheit zur Aufklärung des Falles einsetze.

(Ynetnews/Haaretz, 4.4.2011)



Der Theaterleiter und seine Schauspieler waren mit der Inszenierung „Fragments of Palestine“ auf ihrer Deutschland-Tournee im Herbst 2009 auch zu Gast im zwinger1 des Heidelberger Theaters. Das Heidelberger Theater trauert um Juliano Mer-Khamis und veröffentlichte folgende Pressemitteilung: http://www.theaterheidelberg.de/servlet/PB/menu/1377780_l1/index.html