Dienstag, 17.05.2011




Arieh Koretz stellt KZ-Tagebuch in Bergen-Belsen vor
Der frühere Vorsitzende der Israelisch-Deutschen Juristenvereinigung Arieh Koretz hat am 8. Mai in der Gedenkstätte Bergen-Belsen sein Werk „Bergen-Belsen. Tagebuch eines Jugendlichen“ der deutschen Öffentlichkeit vorgestellt.

Arieh (Leo) Koretz, geboren 1928 in Hamburg und in den dreißiger Jahren nach Saloniki (Griechenland) ausgewandert, wurde im Jahre 1943 mit seinen Eltern in das „Aufenthaltslager“ des KZ Bergen-Belsen deportiert.

Dort führte er vom Juli 1944 bis Ende März 1945 heimlich ein Tagebuch in griechischer Sprache, das nunmehr erstmals in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurde.


Koretz (2. v. Links) mit Mitgliedern des DIJV-Vorstands

Im Mittelpunkt seiner Aufzeichnungen steht die Selbstbehauptung eines Jugendlichen im Alltag eines Konzentrationslagers, eines Jugendlichen, der zumindest in der eigenen Wahrnehmung weitgehend auf sich selbst gestellt, der Zwangsarbeit unterworfen und der Willkür der SS ausgeliefert war. Der Leser verfolgt einen Prozess, der von der Selbstbehauptung mehr und mehr buchstäblich in einen physischen Überlebenskampf übergeht

Nach einer Lesung von Auszügen aus dem Tagebuch berichtete Koretz in der Gedenkstätte über den "Verlorenen Transport" aus Bergen-Belsen im April 1945, in dessen Folge sein Vater in dem Dorf Tröbitz in Brandenburg gestorben war, und über die Monate danach, die ihn, seine Mutter und seine Schwester über den Balkan zurück nach Saloniki und schließlich ein Jahr später nach Israel führten.

Auf Fragen der Zuhörer erläuterte Koretz unter anderem auch, weshalb das Tagebuch jahrzehntelang in der Schublade lag und erst nach dem Golfkrieg Anfang der 90er Jahre von ihm wieder hervorgeholt wurde. Die Veröffentlichung hat er zugelassen, um zu erinnern - an die furchtbaren Geschehnisse, an die Täter, die gequält haben, an die Genannten und Ungenannten, die gelitten haben. Arieh Koretz trägt damit dazu bei, Geschichte bewusst zu machen - besonders auch jungen Menschen seines damaligen Alters - und deren Wiederholung zu verhindern.

Nach seiner Einwanderung nach Israel studierte Arieh Koretz Rechtswissenschaften und arbeitet seit über 50 Jahren als Anwalt und Notar in Tel Aviv. Er war Mitgründer und Vorsitzender der „The Lost Transport Victims Memorial Society“. Von 1998 bis 2007 war er Vorsitzender der Israelisch-Deutschen Juristenvereinigung. Im Jahre 2010 wurde er vom Bundespräsidenten für seine Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Informationen zur Deutsch-Israelischen Juristenvereinigung: http://www.dijv.de/index.php?sort3=2&id=1

(Deutsch-Israelische Juristenvereinigung, Mai 2011)