Mittwoch, 15.06.2011




Weizmann-Institut-Sternwarte erfasst Bilder von neuer Supernova
Explodierende Sterne sind "Fabriken", die alle schweren Elemente produzieren, die selbst in unseren Körpern zu finden sind. Demnach sind wir eigentlich alle Meteoritenstaub. Diese explodierenden Sterne, genannt Supernova, sind stark energiegeladene Ereignisse, die den Nachthimmel hin und wieder aufleuchten lassen. Solche Explosionen entstehen gewöhnlich durch eine Störung im Gleichgewicht der Gravitation – die das Sternmaterial nach innen zieht – und einer thermonuklearen Reaktion im Sternkern, die ihn aufheizt und nach außen drückt.

Bestimmte Sterntypen haben eine weit größere (10-100fache) Masse und sind viel jünger als unsere Sonne. In diesen Sterntypen beginnt die nukleare Reaktion genau wie in unserer Sonne – die Verschmelzung von Hydrogen zu Helium – aber die Fusion geht weiter und produziert zunehmend schwerere Elemente. Die Nuklearreaktion endet letztlich bei Eisen und da der Stern keine Energie daraus gewinnt, um die schwereren Atome zu verschmelzen, kommt das Gleichgewicht zwischen Gravitation und thermonuklearer Aktivität zu einem Stillstand. Die Gravitation aber gewinnt die Oberhand, was die Masse des Sterns schnell kollabieren läßt, wobei so viel Energie freigelassen wird, dass eine Explosion folgt. Der Stern schleudert seine äußeren Schichten ins All und ein neuer "heller Stern" erscheint am Nachthimmel, wo vorher keiner zu sehen war. Ein solcher neuer Stern wurde zwischen dem 31. Mai und dem 1. Juni in einem Spiralenarm des nächsten Nachbarn unserer Galaxie, genannt M51, beobachtet.




Amateur-Astronomen aus Frankreich waren die ersten Personen, die die Supernova entdeckten, und kurz darauf wurde sie von PTF Sky Survey entdeckt, an dem Wissenschaftler des Weizmann Instituts teilnehmen. Das Phänomen wurde sowohl in der neuen Martin-Kraar-Sternwarte am Weizmann Institut als auch in der Sternwarte der Tel Aviv Universität in Mitzpe Ramon fotografiert. Israels Platzierung auf dem Globus ermöglicht es Wissenschaftlern Supernova-Vorfälle zu verfolgen, wenn es für viele andere Beobachter auf der Welt Tag ist, weshalb sie bedeutende Beiträge zur Datensammlung liefern können.

Die neue Supernova wird von einem internationalen Team von Wissenschaftlern studiert, einschließlich Dr. Avishay Gal-Yam und seinem Forschungsteam, an dem Dr. Ofer Yaron, Dr. David Polishook und Dr. Dong Xu und die Forschungsstudenten Iair Arcavi und Sagi Ben Ami und auch der Direktor der Kraar-Sternwarte, Ilan Manulis, beteiligt sind. Alle arbeiten am Weizmann Institut im Fachbereich für Partikelphysik und Astrophysik. Darüber hinaus sind auch Wissenschaftler aus den USA, England, Kanada und weiteren Ländern beteiligt. Sie haben bereits feststellen können, dass das Material, das bei der Explosion ins All geschleudert wird, ein breites Spektrum an Elementen enthält. Die Zusammensetzung, die sie beobachteten, ist jedoch untypisch für Supernova-Vorfälle in einem so frühen Stadium der Explosion und daher wollen sie diese Erscheinung noch eingehender studieren.



Die letzte Supernova, die in M51 beobachtet wurde (in einer Entfernung von 26 Millionen Lichtjahren) ereignete sich im Jahr 2005. Man geht davon aus, dass Supernovae nur einmal in 100 Jahren in einer der Galaxien erscheinen. Die hohe Erscheinungsrate in M51 läßt sich durch ihre Interaktion mit einer naheliegenden Galaxie erklären, die den Prozess der Formation eines riesigen Sterns ankurbelt und so auch die Rate des Kollabierens und der Explosion.

Gal-Yam: "Wir laden jeden Amateur-Astronom ein, der solch ein Ereignis beobachtet hat, uns datierte Fotos zu senden. Die Zusammenarbeit mit Amateuren ist für uns sehr wichtig und in diesem Fall könnte es uns auch helfen, den genauen Zeitpunkt der Explosion zu bestimmen."

Jedes Foto der M51-Galaxie, das zwischen dem 30. Mai und dem 2. Juni aufgenommen wurde, kann an die folgende Emailanschrift geschickt werden: ptf11eon@gmail.com. Sollte das Bild in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung benutzt werden, wird der Urheber selbstverständlich erwähnt.

Das Weizmann Institut in Rehovot gehört weltweit zu den führenden multidisziplinären Forschungseinrichtungen. Seine 2700 Wissenschaftler, Studenten, Techniker und anderen Mitarbeiter sind in einem breiten Spektrum naturwissenschaftlicher Forschung tätig. Zu den Forschungszielen des Instituts gehören neue Möglichkeiten im Kampf gegen Krankheit und Hunger, die Untersuchung wichtiger Fragestellungen in Mathematik und Informatik, die Erforschung der Physik der Materie und des Universums und die Entwicklung neuer Werkstoffe und neuer Strategien für den Umweltschutz.