Mittwoch, 29.06.2011




Fliegen ersetzen Pestizide
Nach Jahren der Förderung des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft, hat das israelische Landwirtschaftsministerium eine Kehrtwende beim Schutz von landwirtschaftlichen Produkten eingeleitet und fördert jetzt natürliche Mittel bei der Schädlingsbekämpfung.

Das Ministerium hat entschieden, den Einsatz von Pestiziden gegen Fruchtfliegen, die eine der wichtigsten Bedrohungen für landwirtschaftliche Produkte in Israel darstellen, nicht weiter zu fördern. Die Förderung wird 2014 endgültig eingestellt. Die nächsten beiden Jahre sollen die Landwirte nun zur Umstellung auf natürliche Methoden der Schädlingsbekämpfung nutzen. Um die Umstellung zu unterstützen, fördert das Landwirtschaftsministerium Betriebe, die an diesem Prozess teilnehmen, mit 30 Millionen Schekel. 

Es existieren mindestens zwei Sorten von Fruchtfliegen, die in Israel Zitrusbäume und andere Gewächse wie Tomaten und Paprikapflanzen angreifen. Der Anteil an den Chemikalien, die zu ihrer Bekämpfung eingesetzt werden, beträgt 30% aller Pestizide, die in der Landwirtschaft überhaupt verwendet werden.
Das wichtigste Problem bei der Verwendung der heute gebräuchlichen Pestizide ist nicht mehr die Gesundheitsgefährdung für die Verbraucher sondern vor allem die Schädigung der Umwelt.



Nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums ist der Hauptgrund für die Förderung natürlicher Methoden zur Insektenvernichtung der Umweltschutz, die Entscheidung hat jedoch auch wirtschaftliche Gründe: Der Preis für die Pestizide ist in den letzten Jahren stark angestiegen.

Auf etwa 15% der landwirtschaftlichen Nutzfläche, auf der der Einsatz von Mitteln zur Bekämpfung von Fruchtfliegen notwendig ist, wurden bereits natürliche Methoden getestet. Dabei wurde besonders ein Mittel getestet, das nicht auf chemischen Komponenten basiert sondern auf Pilzen, die für die Fliegen giftig sind.
Eine weitere Methode sind Fallen, mit denen die Fliegen gefangen werden können. Ein dritter Weg ist es, unfruchtbare Fruchtfliegen auszusetzen. Diese paaren sich zwar mit der vorhandenen Population, zeugen jedoch keine Nachkommen.

Eine Fabrik mit dem Namen BIO FLY mit Sitz im Kibbuz Sde Eliyahu züchtet und vertreibt solche Fliegen, um die örtlichen Populationen auszurotten und so die Pestizide langfristig abzulösen.

Dael Levy, Direktor von BIO FLY erklärt dazu: „Die Technologie der unfruchtbaren Fliegen wird bereits erfolgreich in Zitrus- und Olivenhainen in Südisrael angewendet und hat bereits die Verwendung von Pestiziden stark dezimiert und in manchen Fällen sogar ganz abgelöst.“

In den letzten Jahren wurde auch der Import von Wespen nach Israel gestattet, die natürliche Feinde der Fliegen darstellen. In den letzten acht Jahren wurden zehntausende Wespen ausgesetzt. Das Landwirtschaftsministerium weist außerdem darauf hin, dass es sehr hilfreich ist, keine Früchte am Boden liegenzulassen. „Wenn keine nicht-geernteten Früchte auf den Feldern liegen bleiben, so finden die Fliegen auch keine Nahrung“, so Miriam Freund vom Landwirtschaftsministerium.

(Haaretz, 20.05.11)