Freitag, 29.07.2011




Internationale Hilfe als Trumpf
Von Gilah Kahn-Hoffmann

Muslime, Christen, Buddhisten und Juden saßen diese Woche gemeinsam in einem Beduinenzelt mitten in Amman und machten Witze darüber, dass die Wasserpfeife, die sie rauchten, eine Art Friedenspfeife sei.

Die Experten aus Indonesien, Sri Lanka und Israel waren für den zweiten Teil eines zweiwöchigen Workshops nach Jordanien gekommen. Der erste Teil des Workshops, der sich mit Gemeindeentwicklung und der Reduzierung von Risiken für Katastrophen beschäftigte, hatte in Israel stattgefunden.

Dort wurde er von israelischen Experten des „Golda Meir Mount Carmel International Training Center“ (MCITC) in Haifa geleitet. Finanziert worden war das Projekt von der britischen NGO „Tag International Development“, der israelischen Entwicklungshilfeagentur MASHAV und dem israelischen Außenministerium.

Die Gastgeber in Amman waren "Tag" und der Jordanische Rothalbmond (JRC).

Der Präsident des JRC, Dr. Muhammad al-Hadid, betonte die hervorragenden Beziehungen zwischen dem JRC und dem israelischen Magen David Adom (MDA). 2009 hatte der JRC in Kooperation mit dem MDA eine Gruppe von 15 Rettungssanitätern für ein zweijähriges Studium an die Ben-Gurion-Universität des Negev geschickt. Zwei von ihnen blieben für weitere zwei Jahre am Soroka Krankenhaus in Beer Sheva.

Al-Hadid erklärt, dies sei die erste (und bis heute einzige) Gruppe von Jordaniern, die jemals an einer israelischen Universität studiert hätten. Die Entscheidung, die Studenten nach Israel zu schicken, habe ihm seitens seiner Landsleute sehr viel Kritik eingetragen. Er glaube jedoch daran, dass Menschen einander kennenlernen müssen, um sie auf anderem Wege zu betrachten.

„König Hussein hat einmal gesagt, Kriege werden durch Regierungen erklärt, Frieden aber zwischen Völkern geschlossen“, fügt er hinzu.

Einen weiteren Beweis dafür, dass Humanität häufig feindliche Beziehungen zwischen Staaten überwinden kann, lieferte eine Gruppe von muslimischen und christlichen Experten aus dem indonesischen Gesundheitssektor, die im MCITC in Haifa Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit israelischen Kollegen bekamen. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Population weltweit und unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Israel.

Eine der Teilnehmerinnen erklärte später, sie sei sicher gewesen, dass Israel voll von Polizei und Militär sei, „wie man es in den Nachrichten sieht“. Nach zehn Tagen war sie überrascht, „wie pluralistisch das Land ist. In Indonesien denken wir, es ist ein jüdisches Land, und alle Juden sind sehr religiös. Aber es gibt hier sogar Moscheen.“

Profitiert haben die Teilnehmer natürlich auch vor allem inhaltlich. „Nicht alles kann auf Indonesien übertragen werden“, erklärte einer der Leiter der indonesischen Gruppe.“Doch die Teilnehmer haben viele Ideen mitgenommen.“

(Jerusalem Post, 26.07.11)

Die Übersetzung ist eine gekürzte Version des Artikels. Der gesamte Artikel (auf Englisch) findet sich hier: http://www.jpost.com/Opinion/Op-EdContributors/Article.aspx?id=231297