Freitag, 18.11.2011
 
 
Neulich am Toten Meer
 

Das Tote Meer (Foto: Archiv)

Nachdem das Tote Meer nicht zu einem der Sieben Weltwunder gewählt wurde, hat Regev Contes sich einmal mit ihm unterhalten…

"Sag mal, bist du eigentlich enttäuscht?", fragte ich diese Woche das Tote Meer. "Ach, ist doch egal", antwortete es. "Ich habe eh nicht dran geglaubt. Wenn noch nicht mal Amos Oz den Nobelpreis kriegt, was soll ich mich dann schon beschweren?"

"Komm, jetzt sag schon", sagte ich zum Toten Meer. "Ich bin´s, Regev, wir kennen uns ja schon ne Weile, ich hab mich schon als kleiner Junge Ende der Siebziger auf dir treiben lassen, als hier noch die Hippies rumrannten. Lass es raus."

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(Bank Israel, 87.11.11)



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[UEBERSCHRIFT]
 
 


Neulich am Toten Meer

Von Regev Contes

"Sag mal, bist du eigentlich enttäuscht?", fragte ich diese Woche das Tote Meer. "Ach, ist doch egal", antwortete es. "Ich habe eh nicht dran geglaubt. Wenn noch nicht mal Amos Oz den Nobelpreis kriegt, was soll ich mich dann schon beschweren?" "Komm, jetzt sag schon", sagte ich zum Toten Meer. "Ich bin´s, Regev, wir kennen uns ja schon ne Weile, ich hab mich schon als kleiner Junge Ende der Siebziger auf dir treiben lassen, als hier noch die Hippies rumrannten. Lass es raus."

"Was soll ich schon sagen", sagte es schließlich, "Ist doch klar, dass ich frustriert bin. Es ist ja nicht nur, dass ich nicht gewonnen habe, hast du gesehen, wer alles drin ist? Der Tafelberg in Südafrika. Toll, ein ganz normaler Berg, nur dass er anstelle von einem Gipfel oben platt ist. Na super! Die Iguazú-Wasserfälle in Argentinien, stimmt schon, das sind super Wasserfälle, wirklich klasse, aber der Puerto Princesa Subterranean River auf den Phillippinen? Echt, ey! Ein Fluss, der auf der einen Seite in einen Tunnel reinfließt und auf der anderen wieder raus kommt. Mehr hat er nicht drauf, ich schwör´s dir!

Und ich, ich bin am tiefsten Punkt der Erde, das salzigste Meer der Welt und dann noch ein super biblischer Ort, und wer wird dann im Endeffekt gewählt? Indonesische Inseln und n paar Eidechsen? Bei mir hier gibt´s Fliegen, die sind so groß wie n Hund, und hast du mal gesehen, dass ich versucht hab, die wegzuwedeln? So eine Scheiße, sind doch alles Antisemiten."

"Totes Meer? Geht´s Dir gut?", fragte ich misstrauisch. "Ja, mir geht´s gut, tschuldigung, mir ist nur das Salz kurz zu Kopf gestiegen, jetzt beruhig ich mich wieder, hast ja Recht. Man muss auch mit Würde verlieren können, es tut mir wirklich leid, und ich wünsche allen Gewinnern nur das Beste und gute Besserung an alle, die verletzt wurden".

"Es muss dir nicht leidtun", sagte ich. "Ist doch normal, dass man frustriert ist, du hattest es nicht weniger verdient als die anderen." "Mal ganz ehrlich", sagte er leise, "sorry, dass ich es nochmal sage, aber es ist so was von beleidigend, ich bin am tiefsten Punkt der Erde und am salzigsten und n biblischer Ort, und das ist für die kein Wunder? Sag du´s mir, ist das kein Wunder?"

"Ein Wunder. Es ist ein Wunder, dass überhaupt noch was von dir übrig ist", antwortete ich ruhig und versuchte, ihn nicht noch mehr aufzuregen. "Du hattest ja echt kein leichtes Leben, vor allem nicht in letzter Zeit. Ich wollte dich mal fragen, aber jetzt sag mal ehrlich – bist du sauer auf mich oder so?"

"Nicht auf dich persönlich", antwortete er nach einem längeren Schweigen. "Ich weiß, dass du eigentlich o.k. bist, du hast auch für mich ne SMS geschickt, jetzt bist du zu Besuch gekommen, außerdem hast du auch nicht ohne Genehmigung Phosphate entnommen, aber tacheles, ja, ich bin schon ein bisschen sauer auf die Leute hier".


Installation Spencer Tunicks am Toten Meer (Foto: S. Tunick)

"Warum", fragte ich. "Was, warum?", ärgerte er sich. "Ihr redet jetzt schon 200 Jahre darüber, dass ihr mir irgendsonen Kanal für die Wasserzufuhr vom Roten Meer oder Schwarzen Meer oder was weiß ich bauen wollt. Aber das ist alles nur Gerede. In Wirklichkeit macht ihr meine ganze schöne Form kaputt. Einen ganzen Meter verliere ich im Jahr! Und ich bin doch eh schon niedrig. Und mit den Mineralien, da raubt ihr mir echt die Seele, das macht alles kaputt. Die Hotels stehen bald schon im Wasser drin, so nah kommen die. Und das verrückteste, was ich echt nicht verstehe, ist, woher überhaupt das ganze Interesse kommt, es kommt ja doch nix dabei rum.

Ich hab irgendwo gelesen, dass eure Regierung da irgendeine Abgabe bekommt, aber die ist ja lächerlich klein. Ein Abgäbchen. Und das ist frustrierend, denn mal ehrlich, ich hab hier Gott überlebt, Sodom und Gomorra – und die Brüder, wie heißen die noch mal, bringen mich jetzt zu Fall?"

"Totes Meer, weinst du?", fragte ich ängstlich. "Nein, lass nur, ich hab nur n bisschen Salz ins Auge gekriegt. Es wird einfach zu viel abgepumpt – und die Schlucklöcher…"

Ich wusste nicht mehr, was ich noch sagen sollte. Schnell warf ich den schwarzen Schlamm zurück, den ich vorher genommen hatte. "Nimm, nimm, ist schon o.k.", sagte es und wischte sich die Tränen ab. "Davon hab ich genug. Viel Spaß damit."

"Danke", sagte ich, packte den Schlamm in eine Tüte und schwieg. Wir schwiegen lange. "Aber diese Nacktfotos von Spencer Tunick letzten Monat, da haben wir dir doch mal richtig was Gutes getan, oder?", versuchte ich es noch einmal.

"Lass gut sein", lächelte er widerwillig. "Ich hab da nichts gesehen, was ich nicht schon in Sodom gesehen hätte. Ein paar waren ganz süß, aber ich bin jetzt auch nicht mehr so in dem Alter. Du siehst mir aus wie ein guter Junge, einer von uns, klein und bitter, lass dir von mir nicht die Laune verderben, nimm den Schlamm, lass dich ein bisschen treiben und geh nach Hause. Sag nur den Großen da oben, dass sie mal n bisschen den Fuß vom Gas nehmen könnten. Sag ihnen, ich hätte gesagt, dass auch das Tote Meer ein Recht auf Leben hat".

(Haaretz, 18.11.11)

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Versöhnung im Heiligen Land

Sie sind politische Rivalen, doch ein Besuch in Israel hat sie wieder zusammengeführt: Im Rahmen der "Watec 2011" befinden sich der Ugandische Präsident Yoweri Kaguta Museveni und sein kenianische Premierminister Raila Odinga auf Staatsbesuch in Israel.

Im Vorfeld der Planungen wurde den Beamten des Außenministeriums klar: die beiden sind politische Rivalen. Man beschloss also, beiden vorab nichts vom Besuch des jeweils anderen zu erzählen, um keine Absage zu riskieren. Auch wurden beide in verschiedenen Hotels untergebracht. Erst bei der Landung wurden sie dann über den Besuch des jeweils anderen informiert.


Odinga und Ministerpräsident Netanyahu (Foto: GPO)

Der israelische Botschafter in Kenia, Gil Haskel, der beide auf ihrem Besuch begleitete, hatte nun eine Idee: die beiden zu einem Versöhnungstreffen im Heiligen Land zusammen zu führen. Er wandte sich an den ugandischen Präsidenten und fragte, ob er bereit wäre, den kenianischen Premier in Israel zu treffen. Museveni überlegte kurz und antwortete dann. "Kein Problem. Ich bin bereit dazu."

Anschließend kontaktierte Haskel Odinga mit derselben Frage. Auch er antworte nach nur wenigen Momenten: "Warum nicht."

In Windeseile wurden im King David Hotel daraufhin am Mittwoch ugandische und kenianische Fahnen aufgehängt, um dem Treffen einen würdigen Rahmen zu geben. Als beide aufeinandertrafen, umarmten sie sich und besprachen im Anschluss daran die Probleme Ostafrikas sowie die Krise in Somalia. Odinga bezeichnete das Treffen unter Leitung Haskels als "Gipfeltreffen im Heiligen Land".

(Yediot Aharonot, 17.11.11)

Deutsch-israelische Entwicklungsprojekte

Israel plant, seine Hilfsaktivitäten in den Anrainerstaaten des Viktoriasees auszuweiten. Bis Ende des Jahres soll eine israelisch-deutsche Delegation in die Region reisen, um gemeinsame zivilgesellschaftliche Projekte zu diskutieren. Im   nächsten Jahr dann soll eine Delegation auf Ministerebene die Region bereisen, die auf israelischer Seite von Vize-Außenminister Danny Ayalon und auf deutscher Seite von Entwicklungsminister Dirk Niebel angeführt werden soll.

(Maariv, 17.11.11)

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Wochenende: Decode – Digital Design Sensations im Designmuseum in Holon

Heute wird im Design-Museum in Holon die Ausstellung Decode – Digital Design Sensations eröffnet, die dort noch bis zum März nächsten Jahres zu sehen sein wird.

Die Ausstellung zeigt die neuesten Entwicklungen in digitalem und interaktivem Design, von kleinen, bildschirmbasierenden Graphiken bis hin zu großen Installationen.


Mehr (auf Englisch) unter: http://dmh.org.il/exhibition/exhibition.aspx?pid=17&catId=-1

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Rabin – ein guter Ökonom

Von Nehemia Strassler

Am letzten Samstagabend war ich auf dem Rabin-Platz. Ich bin dort jedes Jahr, als Teil meiner Bürgerpflicht, demjenigen die Ehre zu erweisen, der auf dem Altar des Friedens ermordet wurde. Jeder sollte mindestens einen Tag im Jahr dem frustrierenden Gedanken widmen, dass, wenn der Allgemeine Sicherheitsdienst (SHABAK) seine Arbeit richtig getan und den Mörder festgenommen hätte, wir uns heute in einer ganz anderen, viel besseren Wirklichkeit befänden.

In diesem Jahr hatte die Versammlung ein aktuelles politisches Gesicht. Die Sprecher zögerten nicht, sich für Verhandlungen und gegen jene auszusprechen, die uns gern mit Blut und Feuer überziehen würden. Einige erinnerten an das Erbe Yitzhak Rabins auf dem Gebiet der Nächstenliebe, Selbstopferung und der Ernsthaftigkeit, doch niemand hat über die wirtschaftliche Revolution gesprochen, die Rabin herbeigeführt hatte. Rabin hat das zwar indirekt getan, doch das Oslo-Abkommen vom 13. September 1993 war einer der besten Wirtschaftspläne, die hier jemals aufgestellt wurden.

Rabin war der erste, der bewies, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Frieden und Wirtschaft gibt, zwischen Frieden und Aufschwung, zwischen Frieden und Arbeitslosenzahlen, zwischen Frieden und Gesellschaft.

Das Jahr 1993 hatte sehr schlecht begonnen, es dominierte der Pessimismus. Das Wirtschaftswachstum schrumpfte, die Arbeitslosigkeit betrug beängstigende 10%. Doch dann kam der September, und alles wurde anders. Das Oslo-Abkommen war auch für die Wirtschaft ein Wendepunkt. In seiner Folge stieg das Wachstum unmittelbar auf 7% (1994), die Arbeitslosigkeit sank auf 7,8%. 1995 wuchs die Wirtschaft weiter um 6,5%, und die Arbeitslosigkeit sank weiter. So war es auch in der ersten Hälfte des Jahres 1996. Doch dann gewann Binyamin Netanyahu die Wahlen und machte sich auf, das Oslo-Abkommen zu liquidieren. Er war erfolgreich. Er zerstörte den Traum vom Frieden und sorgte dafür, dass es in der Wirtschaft wieder rückwärts ging: von Aufschwung und Entwicklung zu langsamerem Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit.

Die Wahrheit ist, dass Rabin noch vor Abschluss des Oslo-Abkommens eine weitreichende Veränderung in den Prioritäten vorgenommen hatte. Er hörte damit auf, den Siedlungen die Milliarden zu überweisen, die sie jedes Jahr von den Regierungen des Likud erhalten hatten und überwies das Geld dahin, wo es gebraucht wurde: in Bildung, Straßenbau und Entwicklungsstädte. Rabin stoppte den zerstörerischen Prozess der Austrocknung Galiläas und des Negev, indem er die Klassifizierung von Gebieten als Entwicklungsgebiete mit höchster Priorität abschaffte, die "nur fünf Minuten von Kfar Saba", auf der anderen Seite der Grünen Linie, liegen.

Nach dem Oslo-Abkommen wurde Israel von einem ausgestoßenen zu einem höchst gefragten Staat. Delegationen aus der ganzen Welt tummelten sich auf den Märkten, und das Messezentrum in Tel Aviv brach vor Konferenzen schon fast zusammen. Internationale Firmen konkurrierten untereinander darum, wer als erstes investieren würde, und Israel begann, einen nie erlebten Strom von Investitionen zu genießen, der aus der ganzen Welt kam.

Das erste Mal, dass eine offizielle Delegation aus Japan hierher kam, war nach dem Oslo-Abkommen. Bis dahin wollten die Japaner keinerlei geschäftliche Kontakte zu Israel, um nicht die Araber zu verärgern. Auch Indonesier kamen hierher, Inder usw.

Die Welt ging davon aus, dass, nachdem der Frieden mit den Palästinensern unterschrieben wäre, der Nahe Osten sein Gesicht verändern und Israel zu einem wirtschaftlichen Brückenkopf zur gesamten arabischen Welt würde. So kamen riesige Konzerne wie Nestlé, Unilever, Danone, Pepsico und andere hierher, die vor dem Oslo-Abkommen nicht einmal von Israel geträumt hätten. Nur wenige erinnern sich noch, dass McDonalds erst im Oktober 1993, nach dem Oslo-Abkommen, hierherkam.

Bis zum Abkommen betrugen die ausländischen Investitionen in Israel nur ein paar lächerliche Duzend Millionen Dollar im Jahr, die vor allem von guten Juden kamen. Doch nach dem Abkommen stiegen die Investitionen auf mehrere Milliarden Dollar jährlich, und es gab auch grandiose Pläne von gemeinsamen Industriegebieten, gemeinsamem Tourismus und gemeinsamen medizinischen Versorgungszentren.

In jenen optimistischen Tagen wurden die israelischen Geschäftsleute zu seriösen Teilnehmern auf jeder internationalen Konferenz. Viele Staaten erneuerten ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel, und einige arabische Staaten eröffneten hier Vertretungen – so Oman, Katar, Tunesien und Marokko.

Ich werde nie die Wirtschaftskonferenz in Oman vergessen, deren Stars Rabin und Shimon Peres waren, und auf der mich syrische (!) Geschäftsleute fragten, wie man Geschäfte in Israel machen kann und an wen man sich wenden müsste.

Die Konferenz fand Ende Oktober statt, nur wenige Tage, bevor der Traum durch drei Kugeln aus einer Pistole zerstört wurde.

(Haaretz, 18.11.11)

Die im Newsletter veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.

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