Freitag, 13.08.2010
 
 
Palästinensisches Volk ja, jüdisches Volk nein?
 
Von Shlomo Avineri

Wie viele Leser habe ich die feine Ironie, den geschliffenen Humor und die weisen arabischen Fabeln in Salman Masalhas Kommentar („Ein jüdisches und demokratisches Restaurant, Haaretz vom 9. August) genossen. Aber all das kann das fundamentale Missverständnis nicht wettmachen, das seinem Schlusssatz zugrundeliegt: „Es gibt keinen jüdischen und demokratischen Staat, so wie es keinen muslimischen und demokratischen Staat gibt.“ Hier liegt der Hund begraben, wenn es erlaubt ist, mit Tierfabeln fortzufahren.

Am Grund dieses Satzes liegt ein tiefes – und tragisches – Missverständnis, das viele arabische Positionen hinsichtlich der Identität Israels charakterisiert. Laut dem gängigen arabischen Standpunkt sind „Juden“ so etwas wie „Christen“ oder „Muslime“. Anders gesagt: Sie sind eine religiöse Gemeinschaft, kein Volk. Nicht nur Araber denken so, und es besteht kein Zweifel, dass die jüdische Identität, in den Augen von Juden und Nichtjuden gleichermaßen in erster Linie als religiöse Identität begriffen wurde.



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(Bank of Israel, 13.08.10)


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Bild des Friedens: Ramallah am Ramadan

Wer derzeit Ramallah besucht, erlebt etwas, was es lange nicht gegeben hat im Westjordanland – eine Atmosphäre entspannter Normalität. Nicht wenige Einwohner werden sich die Augen gerieben haben, als sie am ersten Abend des Ramadan Generäle der israelischen Armee sahen, die gemeinsam mit Kollegen der palästinensischen Sicherheitskräfte durch die Stadt spazierten.

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Palästinensisches Volk ja, jüdisches Volk nein?
Von Shlomo Avineri

Wie viele Leser habe ich die feine Ironie, den geschliffenen Humor und die weisen arabischen Fabeln in Salman Masalhas Kommentar („Ein jüdisches und demokratisches Restaurant, Haaretz vom 9. August) genossen. Aber all das kann das fundamentale Missverständnis nicht wettmachen, das seinem Schlusssatz zugrundeliegt: „Es gibt keinen jüdischen und demokratischen Staat, so wie es keinen muslimischen und demokratischen Staat gibt.“ Hier liegt der Hund begraben, wenn es erlaubt ist, mit Tierfabeln fortzufahren.

Am Grund dieses Satzes liegt ein tiefes – und tragisches – Missverständnis, das viele arabische Positionen hinsichtlich der Identität Israels charakterisiert. Laut dem gängigen arabischen Standpunkt sind „Juden“ so etwas wie „Christen“ oder „Muslime“. Anders gesagt: Sie sind eine religiöse Gemeinschaft, kein Volk. Nicht nur Araber denken so, und es besteht kein Zweifel, dass die jüdische Identität, in den Augen von Juden und Nichtjuden gleichermaßen in erster Linie als religiöse Identität begriffen wurde.

Aber die Essenz der zionistischen Revolution liegt in der Auffassung, dass die Juden ein Volk sind, und als solches haben sie ein Recht auf nationale Selbstbestimmung in staatlichem Rahmen. Dieses Grundprinzip wurde von der UN-Vollversammlung am 29. November 1947 in der Resolution zur Teilung des Lands Israel in zwei Staaten – einen jüdischen und einen arabischen (und eben nicht einen jüdischen und muslimisch-christlichen) – bestätigt.

Israel betrachtet sich selbst als den jüdischen Nationalstaat, so wie sich Polen als polnischen Nationalstaat und Griechenland als griechischen Nationalstaat betrachtet oder der palästinensische Staat – wenn er entsteht – sich als palästinensischer Nationalstaat betrachten wird.

Kein Zweifel: Die jüdische Identität besitzt eine religiöse Komponente, sowohl in der historischen Realität als auch heutzutage, so wie es eine religiöse Dimension in der polnischen Nationalidentität oder eine muslimische Dimension in der arabischen Nationalidentität gibt (Mohammed gilt nicht nur als Prophet des Islams: Auch christliche Araber betrachten ihn als arabischen Nationalhelden).

Eines der Probleme, die die Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts erschweren, liegt genau in diesem Punkt – der Schwierigkeit, die die arabische Seite damit hat, anzuerkennen, dass die Juden im Staat Israel sich als Volk betrachten. Identität ist eine Frage der Selbstdefinition, nicht der Definition von außen. So wie die Juden nicht bestimmen werden, ob es ein palästinensisches  Volk gibt oder nicht (es gibt viele unter uns, die die Existenz eines palästinensischen Volkes noch nicht verdaut haben), so wird auch Salman Masalha nicht bestimmen, ob die Juden ein Volk sind oder nicht: Das ist eine Frage der Selbstdefinition.

Wer den Juden das Recht abspricht, sich selbst als Volk zu definieren, spricht ihnen ein fundamentales Menschenrecht ab. Die arabische Weigerung, Israel als jüdischen Staat zu akzeptieren, zeugt von etwas Tieferem: der Nichtbereitschaft, das Recht auf Selbstdefinition des jüdischen Volkes zu akzeptieren.

Da von nationaler und nicht von religiöser Identität die Rede ist, kann es einen jüdischen und demokratischen Staat geben, genau so wie einen arabischen und demokratischen Staat. Das ist im Übrigen das, was in der libanesischen Verfassung geschrieben steht, einem arabischen Staat, der trotz aller Probleme auf Wahlen und demokratischen Grundsätzen basiert.

In Artikel 2 der Präambel der libanesischen Verfassung heißt es: „Der Libanon ist ein arabischer Staat gemäß seiner Identität und seiner Bindungen.“ Artikel 4 bestimmt: „Das Volk ist die Quelle der Souveränität und Autorität“.“ Mit anderen Worten betrachtet sich der Libanon als arabischer und demokratischer Staat. Auch die Verfassungen Syriens und Ägyptens schreiben fest, dass ihre Identität arabisch und ihre Regierungsform demokratisch seien. Und auch wenn man sagen kann, dass es – zurückhaltend ausgedrückt – Probleme mit dem demokratischen Aspekt der Regierungsform dieser Staaten gibt, ist doch klar, dass die Autoren jener Verfassungen keinen Zweifel daran hegten, dass grundsätzlich kein Widerspruch dazwischen bestehe, sowohl ein demokratischer als auch ein demokratischer Staat zu sein.

Also „arabisch und demokratisch“ ja, aber „jüdisch und demokratisch“ nein? In meinem Wörterbuch haben diese Unterscheidungen einen leicht rassistischen Hauch.

Shlomo Avineri ist em. Professor für Politische Wissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem.

(Haaretz, 13.08.10)

Die im Newsletter veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder.
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Bild des Friedens: Ramallah am Ramadan
Wer derzeit Ramallah besucht, erlebt etwas, was es lange nicht gegeben hat im Westjordanland – eine Atmosphäre entspannter Normalität. Nicht wenige Einwohner werden sich die Augen gerieben haben, als sie am ersten Abend des Ramadan Generäle der israelischen Armee sahen, die gemeinsam mit Kollegen der palästinensischen Sicherheitskräfte durch die Stadt spazierten.

Die Visite des Kommandanten der israelischen Armee in Judäa und Samaria, Brigadegeneral Nizan Alon, und des Leiters der Zivilverwaltung, Brigadegeneral Yoav Mordechai, sowie die Koordinierungstreffen, die sie in diesem Rahmen mit Vertretern der palästinensischen Sicherheitsbehörden just zu dieser Zeit abhielten, sind ein Zeichen für die enge Kooperation, die seit drei Jahren zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde herrscht.

Bei der Ankunft in der Innenstadt von Ramallah fallen die neuen Parkvorschriften auf, die auch strikt durchgesetzt werden. Ordnung ist eingekehrt im Westjordanland – das ist der bleibende Eindruck.

„Die Sicherheitssituation könnte besser nicht sein“, sagt ein Möbelhändler. „Die Lage ist stabil, ruhig und geordnet, und Gott sei dank hat die Regierung die Kontrolle über das, was in der Stadt passiert.“ Der neu aus Nablus Hinzugezogene fügt noch hinzu, dass die Erleichterungsmaßnahmen von Seiten Israels den Grad an Feindseligkeit erheblich gesenkt hätten.

Eine andere Sache, die auffällt, ist dass im Gespräch mit den Einwohnern das Wort „Besatzung“ – anders als früher - überhaupt nicht mehr fällt. Worüber die Menschen sich Gedanken machen, sind in erster Linie die Geschäfte.

(Haaretz, 13.08.10)
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Kunsthandwerksfestival in Jerusalem
In Jerusalem findet am Samstag wieder das International Arts and Crafts Festival statt – dieses Jahr zum 35ten Mal. Mehr als 150 israelische und ausländische Künstler werden am Sultansteich am Rand der Altstadt ihre Arbeiten präsentieren.



Neben kreativen Workshops und zahlreichen Imbissständen gibt es auch Auftritte einer Reihe berühmter israelischer Musiker wie Mosh Ben-Ari, David Broza, Aviv Geffen und Ivri Lider. Zusätzlich werden Theatergruppen aus Kolumbien, Polen, Korea, Rumänien, Thailand und Indien das Program bereichern.

Die Kunstakademie Bezalel präsentiert auf ihrem Campus unterschiedlichste Arbeiten aus dem eigenen Haus.

(Yedioth Ahronot, 11.08.10)
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Wir vergessen dich nicht
Der israelische Soldat Gilad Shalit wurde vor 1510 Tagen von der Terrororganisation Hamas in den Gaza-Streifen entführt. Er befindet sich noch immer in Geiselhaft.
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